Wettbewerbsentscheidung Olivaer Platz

Im Dezember 2011 hat das siebenköpfige Preisgericht den Entwurf des Büros Rehwaldt Landschaftsarchitekten aus Dresden einstimmig mit dem ersten Preis prämiert und somit eine Entscheidung über das Entwurfskonzept zur Neugestaltung des Olivaer Platzes getroffen.

Im folgenden erhalten Sie weitere Informationen. Am Ende der Seite haben Sie die Möglichkeit über die Kommentarfunktion Anregungen zur weiteren Bearbeitung des Entwurfes zu hinterlassen.

Eine vollständige Dokumentation der Wettbewerbsergebnisse finden Sie auf der Internetseite der Senatsverwaltung für Stadtenwicklung und Umwelt.

Auf der nächsten Bürgerveranstaltung am 23. Februar 2012 wird der Entwurf öffentlich durch die Verfasser präsentiert. Anschließend steht  Gestaltung und die Gliederung der Flächen nach Funktionen im Fokus einer Diskussion.

Zielsetzung
Zusammenfassung der Vorprüfung
Beurteilung  des ausgewählten  Entwurfs
Empfehlung  des Preisgerichts
Erläuterungstext  der Entwurfsverfasser


Zielsetzung des Wettbewerbs

Der Olivaer Platz ist einer der wichtigsten Plätze für die City West und den Bereich um den Kurfürstendamm. Der Anspruch an die Gestaltqualität an diesem Ort ist daher besonders hoch. Mit dem landschaftsplanerischen Wettbewerb soll ein Beitrag zur Aufwertung der City West geleistet werden. Der Wettbewerb soll die Möglichkeit eröffnen, an dieser exponierten Stelle in unmittelbarer Nähe zum Kurfürstendamm einen grünen Cityplatz mit beispielhafter zeitgenössischer Freiraumgestaltung zu entwickeln.

Der Olivaer Platz positioniert sich durch seine Lage in der Stadt in einem Spannungsfeld der Ansprüche von Bewohnern, Berufstätigen in der Umgebung, Berlinern sowie Touristen und Besuchern der Stadt und vor allem des Kurfürstendamms. Diesen unterschiedlichen, sich überlagernden Ansprüchen soll der Platz in Zukunft gerecht werden können.

Für die Bewohner sollen daher generationsübergreifend Nutzungsangebote bereitgestellt werden: Kinder unterschiedlicher Altersklassen, Ältere und Erholung suchende Bewohnerinnen und Bewohner jeden Alters sollen sich hier ausruhen oder aktiv regenerieren können. Dabei ist auch die Barrierefreiheit der Ausgestaltung zu beachten. Berufstätige sollen den Platz während ihrer Mittagspause nutzen können und Touristen sollen hier einen Ort zum Ausruhen abseits des Trubels am Kurfürstendamm finden. Ein Cafépavillon auf dem Platz kann in die Planung mit einbezogen werden. Die Umsetzung wird jedoch nicht mithilfe der bislang eingestellten finanziellen Mittel erfolgen können.

Da die Platzfläche begrenzt ist, besteht die Herausforderung unter anderem darin, die vorgeschlagenen Funktionen und Nutzungen einerseits so unterzubringen, dass keine Nutzung für eine andere Nutzung störend ist. Andererseits soll der Entwurf eine Kommunikation zwischen den Menschen der jeweiligen Nutzergruppen und Generationen ermöglichen,
wenn nicht befördern.

Im Sinne einer dauerhaften Qualitätssicherung des Platzes sollen die Lebenszykluskosten im Entwurfsprozess berücksichtigt werden (optimale Qualität der Ausführung mit geringen Unterhaltungs- und Planungskosten).

Bezug nehmend auf den Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung vom 19.05.2011 sollen die Teilnehmer auf einer im Entwurf definierten Fläche im östlichen Teil des Platzes eine Gestaltungsalternative mit Parkplatz erarbeiten.


Zusammenfassung der Vorprüfung:

Leitidee

In Anspielung auf die Nähe zum Ku‘damm und die vielfältigen Anforderungen an den Platz soll der Olivaer Platz ein maßgeschneidertes, leicht tailliertes Kleid erhalten. Die neu und elegant bekleidete Platzfläche (soll dabei) als Pendant zum Kurfürstendamm als Laufsteg im Grünen fungieren.

Gestaltung und Nutzung

Der Entwurf sieht im Westen einen bis an die Kanten reichenden Platz vor, der sich - langsam schmaler werdend - entlang der südlichen Platzkante fortsetzt. Anschließend erstreckt sich eine Grünfläche, die von 2,5 m breiten Wegen erschlossen wird. An der nördlichen Platzkante bildet eine extensive Strauchpflanzung den räumlichen Abschluss des Platzes. Der vorhandene Baumbestand wird hier durch Neupflanzungen (Ahorn) ergänzt. Davor verlaufen die Wegeverbindungen in west-östlicher Richtung und bilden den Übergang zu der anschließenden zentralen Parkwiese. Diese verläuft überwiegend niveaugleich mit dem Platz und senkt sich nur zur südwestlichen Ecke hin um bis zu 40 cm ab. Eingestreut in den Platz und den Rasen liegen kissenförmige Flächen, die als Baumscheibe mit Pflanzfläche (Bodendecker / Stauden) oder als Wasserbecken fungieren oder Nutzungen wie Spielbereiche aufnehmen. Nach Bedarf werden diese auch mit einer Aufkantung erhöht ausgeführt. Die Sitzelemente folgen dabei den Konturen der Fläche und haben eine linsenartige Form.

Durch die Integration in Baumscheiben können die Bestandshöhen vieler Bäume beibehalten werden, auch wenn das umliegende Gelände ein anderes Niveau aufweist. Es sind umfangreiche Baumrodungen vorgesehen. Die Neupflanzung von Bäumen ist sehr umfangreich.

Der gesamte Belag der umlaufenden Platzflächen wird in einem eigens für den Platz entwickelten Plattenbelag ausgeführt, der ein prägnantes Dekor erhält: Als Reminiszens an den Ort Oliva - an die kaschubische Liebe für das kleine Dekor und an die baulichen Traditionen der Franziskaner - wird ein graziles Flechtwerk aus einem leicht abgewandelten, floral anmutenden Vierpaß gewirkt.

Der Cafépavillon bildet den westlichen Abschluss des Platzes. Die Haltestelle wird integriert.

An der südlichen Platzseite werden die Parkplätze entlang der Straße komplett auf die südliche Straßenseite verlagert. Durch Senkrechtaufstellung soll dies kompensiert werden. An der nördlichen Platzkante werden Gehwegvorstreckung auf Höhe Wielandstraße vorgesehen. Insgesamt entfallen im weiteren Wettbewerbsgebiet 5 Parkplätze.

Alternative mit Parkplatz: Der Parkplatz mit 59 Stellplätzen wird an der nördlichen Platzkante im Übergangsbereich zwischen Heckenpflanzung und Rasenfläche angeordnet. Die angrenzenden Wegeverbindungen werden über die Fläche hinaus fortgeführt.

Realisierung, Kostenrahmen und Wirtschaftlichkeit

Baukosten: Durch die Anlage der großer Rasenflächen kann die Herstellung der rahmenden Promenade aus einem Betonplattenmuster sowie der intensive Einbau von Ausstattungsgegenständen und Baumscheiben kompensiert werden.

  • Der vorgebene Kostenrahmen wird mit dem Entwurf eingehalten.
  • Pflegekosten: Wesentliche Pflegekosten entstehen durch die große Rasenfläche und die neuen Pflanzflächen.
  • Niederschlagswasser wird über die Vegetationsflächen versickert, die westliche Platzfläche ist an die Kanalisation angeschlossen. Ein Wasserbecken ist geplant.
  • Insgesamt wird der Kostenrahmen für die Pflege mit dem Entwurf eingehalten.

 


Beurteilung des ausgewählten Entwurfs

Die Leitidee des „maßgeschneiderten, leicht taillierten Kleides“ baut einen deutlichen thematischen Bezug zur Modemeile Kurfürstendamm auf.

Durch die großzügige urbane Platzfläche an der Westseite und die Fortführung als Promenade auf der südlichen Seite des Olivaer Platzes kann die räumliche Umsetzung der Verbindung Olivaer Platz und Kurfürstendamm als gelungen gewertet werden. Insbesondere die großzügige Promenade auf der Südseite verspricht eine Belebung der Platzseite und kann von der ansässigen Gastronomie bespielt werden.

Der zusätzliche Cafépavillon auf der Platzfläche erscheint wünschenswert und stärkt die Verbindung zum Kurfürstendamm. Das Wasserbecken auf der Platzfläche wirkt etwas beliebig und erscheint nicht erforderlich.

Die extensive Strauchpflanzung als nördlicher Platzabschluss erscheint angemessen. Die eingestreuten Spielelemente lassen den gesamten Platz zur Sportlandschaft werden.

Die kissenförmigen Flächen der Baumscheiben wurden nicht einhellig positiv gewertet. Das Belagsmotiv der befestigten Flächen wurde in seiner dekorativen Wirkung wohlwollend beurteilt, jedoch unter Herstellungs- und Erhaltungskosten kritisch gesehen. Als noch unbefriedigend wurde die untergeordnet ausformulierte zentrale Platzquerung sowie das fehlende Platzentree aus Richtung Pariser Straße gewertet. Die Arbeit besticht durch die selbstverständliche Verbindung von südlicher Platzseite und Kurfürstendamm. Der Umgang mit dem Baumbestand erscheint angemessen. Der Kostenrahmen konnte trotz aufwendigen Belagsmustern eingehalten werden.

Der optionale Stellplatz ist funktional, richtig angeordnet und fügt sich in den Entwurf ein. Die Hundewiese erscheint verzichtbar.

 


Empfehlung des Preisgerichts

Für die weitere Bearbeitung des Entwurfs hat das Preisgericht folgende Empfehlungen gegeben:

  • die Mittelachse (Verbindung zwischen Bayerische-und Wielandstraße) soll durch Herausarbeitung und Betonung (z.B. durch Spielangebote) gestärkt werden.
  • es wird empfohlen Teile des Entwurfes wie z.B. die Spielangebote im Rahmen eines Beteiligungsverfahrens mit Bürgern und Entwurfsverfassen weiter zu differenzieren.
  • auf die Hundewiese soll verzichtet werden.
  • die Sitzelemente im Bereich der "Kissen" erscheinen nicht funktional und sollten überarbeitet werden (Gestaltung unter den Gesichtspunkten von "Universal Design" / "Design For All") auch unter Berücksichtigung der Vandalismusanfälligkeit und der Unterhaltungskosten
  • bei der Platzierung der Bänke sollte der Sonnenstand stärker Berücksichtigung finden.
  • eine Verbreiterung der Promenade/ des Gehwegs an der Ostseite sollte geprüft werden.
  • im Sinne einer Stärkung der Mittelachse sollte eine durchgehende Gehwegvorstreckung entlang der Lietzenburger Straße gegenüber der Einmündung der Wielandstraße vorgesehen werden.
  • da die Aufenthaltsqualität am Olivaer Platz ohne Parkplatz deutlich höher ist, empfiehlt das Preisgericht grundsätzlich auf einen Parkplatz zu verzichten.

 


Aus dem Erläuterungstext der Entwurfsverfasser:

Haute Couture im Grünen

Am Oliver Platz verbindet sich die Geschichte des namensgebenden Ortes – das polnische Kloster Oliva – mit den Besonderheiten des reellen Raumgefüges des Berliner Platzes.
In prominenter Benachbarung zum Kurfürstendamm und umgeben von äußerst urbanen Platzrändern, dicht besetzt mit Läden, Cafes und Restaurants soll der Olivaer Platz alles sein – ein Park mit stillen Ecken, eine erweiterte Bühne des Berliner Straßenlebens, geschützter Spielraum für Anwohner, Transitraum für Fußgänger und Radfahrer.

Der Olivaer Platz erhält ein maßgeschneidertes, leicht tailliertes Kleid.
Aufgrund der engen Platzsäume, in denen der Baumbestand mit Wegeansprüchen von Fuß- und Radfahrern konkurriert, wird im Westen ein bis an die Platzränder übergreifendes Platztableau angelegt, welches die Separierung der Wege aufhebt und eine großzügiges Podium bietet. Sitzplätze im flirrenden Schatten, vielfältige Staudenbeete, kleine Spielelemente, ein Wasserbecken und einzeln eingefügte Freisitze der benachbarten Restaurants und Cafes bilden das Interieur der neue Bühne.
Gleichzeitig ist die neue Platzfläche Basis für Hauptwegeverbindungen und offeriert im Bereich des Cafes mehr Raum für Feste, thematische Märkte und kulturelle Aktivitäten.

Baumhain

Der üppige Baumbestand bietet beste Voraussetzungen für das Schaffen einer hochgewölbten grünen Halle. Das alte und neue Kronendach der südlichen und nördlichen Platzkanten formen kompakte Ränder und bilden eine, nur von wenigen wertvollen Solitären besetzte, freie und sonnige Mitte. Dabei werden im Bestand erkrankte, geschädigte und Gehölze entfernt. Die Dominanz der Baumarten Linde und Ahorn wird durch Baumneupflanzungen (Ahorn) verstärkt. Wertvolle Solitäre werden in das Konzept integriert.
Die nördliche Kante wird mit einer extensiven Strauchpflanzung besetzt, die eine stärkere Abschirmung der Lietzenburger Straße übernimmt. Die südlichen positionierten Bäume erhalten eine individuell angemessene Baumscheibe, teilweise auch leicht erhöht, die mit pflegeleichten Stauden und Bodendeckern bepflanzt wird.

Parkwiese

Die Parkwiese spannt sich über die gesamte Ost-Westausdehnung und erlaubt vielfältige Blickbeziehungen.
Während die Ränder der Wiese dezent mit kleineren Spielflächen sowie eine Hundewiese im Westen belegt sind, bleibt die Mitte frei von Einbauten. Im Bereich der Sitzkante wird die Rasenfläche leicht abgesenkt um ein Besitzen der Kante anbieten zu können.

Oberflächen

Als Reminiszens an den originalen Ort Oliva - an die kaschubische Liebe für das kleine Dekor und an die baulichen Traditionen der Franziskaner -  wird ein graziles Flechtwerk aus einem leicht abgewandelten, floral anmutenden Vierpaß gewirkt. Die neu und elegant bekleidete Platzfläche kann so als Pendant zum Kurfürstendamm als Laufsteg im Grünen fungieren.
Das Plattenmuster umfaßt die gesamte Platzfläche und die Gehwegbereiche. In Anlehnung an die vielfältigen Gestaltungsvarianten der Berliner Gehwegplatte werden zwei analoge Standardformate der Musterplatte vorgesehen, die eine einfache Herstellung und Handhabung erleichtern sollen.

Ausstattung

Die Möblierung folgt den Konturen des Musters. In Kombination mit Spiel- /Sitzplätzen und Staudenflächen (Baumscheiben) werden in verschiedenen Längen Bankelemente angeboten, die teilweise auch als Liegeflächen und Picknicktische dienen können.
Im Bereich des Cafes spendet ein kleineres, flaches Wasserbecken Kühle.
Spielgeräte werden dezentral, integriert in die Nord- und Südseiten des Parkes aufgenommen. Eine größere Spielfläche für Kleinkindern befindet sich am südlichen Promenadenrand.

Umfeld

Gehwegvorstreckungen erlauben eine besseren Zugang zum Park und binden diese intensiver an die Quartiere an der Pariser Straße. Die Stellplatzanordnung wird an die südliche Straßenseite der Pariser Straße verlagert um eine Beruhigung im Promenadenbereich und eine Verbesserung der Blickbeziehung zu erreichen. Straßenbaumreihen werden ergänzt. Gehwege sind nach den Vorgaben des Berliner Standards zu erneuern.

Parkplatz

Alternativ ist die Anlage eines Parkplatzes mit 60 PKW-Stellplätzen möglich. Dieser sollte unter Beachtung des Baumbestandes so kompakt wie möglich angeordnet werden. Die vorliegenden Untersuchungen zum Verkehr sind in die Gestaltung eingeflossen.

Entwässerungskonzept

Der überwiegende Anteil des Oberflächenwassers kann in die Wiesenflächen versickern. Lediglich im Bereich des Cafeplatzes werden Entwässerunganlagen eingeordnet.

 

Entwurfsplan, Rehwaldt Landschaftsarchitekten, Dresden

1. Preis Rehwaldt Landschaftsarchitekten, Dresden

1. Preis Rehwaldt Landschaftsarchitekten, Dresden

Skizze Spiel, Rehwaldt Landschaftsarchitekten, Dresden

Skizze Sitzkante, Rehwaldt Landschaftsarchitekten, Dresden

Belagsdetail, Rehwaldt Landschaftsarchitekten, Dresden