„Wie wollen wir uns verhalten?“

Die Business Keeper AG ist Anbieter eines einmaligen elektronischen Hinweisgebersystems. Mit seiner Hilfe können Missstände und Fehlverhalten in Organisationen und Verwaltungen aufgezeigt werden

BKMS® System Grafik: Business Keeper AG

Das Thema ist beinahe so alt, ​wie die Menschheit selbst. Der römische Kaiser Marc Aurel schrieb zum Beispiel schon vor rund 2000 Jahren: „Ein jeder ist so viel wert, wie die Dinge wert sind, um die es ihm ernst ist.“ Doch was ist das eigentlich, ein Wert? Und brauchen wir Menschen überhaupt noch Werte? Ja, sagt Kenan Tur, heutzutage vielleicht sogar mehr denn je. Mit seiner Firma Business Keeper AG hat er ein Hinweisgebersystem gegen Wertverstöße und zur Aufdeckung korruptiver Praktiken entwickelt.

Mit Hilfe des Business Keeper Monitoring Systems (BKMS® System) können Beschäftigte und Lieferanten Fehlverhalten und Missstände in Unternehmen aufzeigen. Die Möglichkeit, anonym zu melden, schützt sie dabei vor eventuellen Repressalien. Unternehmen nutzen die Anwendung zur Prävention finanzieller und reputativer Schäden sowie zur internen Aufklärung von Vorfällen. Hierbei geht es zum Teil um schwerwiegende Wirtschaftskriminalität wie Bilanzfälschung, Korruption oder Insiderhandel.

Behörden wie das Bundeskartellamt oder das LKA Niedersachsen wenden das System bereits erfolgreich an. Aber auch Unternehmen wie die Deutsche Telekom, die Deutsche Bahn, Osram oder Merck haben den Wert des Hinweisgebersystems erkannt. Derzeit wird es weltweit in über 50 Sprachen eingesetzt.

Wer einen Hinweis geben möchte, füllt zunächst auf einer gesicherten Onlineplattform ein Formular aus. Die Meldung wird innerhalb der Anwendung verschlüsselt und erreicht die Compliance Manager der Organisation. Über einen geschützten Postkasten kann im Nachgang ein anonymer Dialog geführt werden. „Viele Hinweisgeber geben irgendwann ihre Anonymität auf, wenn sie Vertrauen zu ihrem Ansprechpartner gefasst haben“, sagt Kenan Tur.

Was heute in vielen Organisationen selbstverständlich ist, hatte einen schweren Start. Mit seiner Idee stieß Kenan Tur anfangs auf wenig Verständnis bei den Unternehmen. Manche vermuten, das System befördere Denunziantentum. „Die ersten Jahre waren wirklich schwer, die Unternehmen waren sehr ablehnend.“ Doch dann kamen die Skandale renommierter deutscher Konzerne, die es in dieser Größenordnung noch nicht gegeben hatte. Plötzlich wurden die Themen Compliance und Wirtschaftsethik populär – auch in der breiten Öffentlichkeit.

Doch Kenan Tur geht es um mehr. Es geht ihm darum, verlorene Identifikation wiederherzustellen. Früher waren viele Unternehmen inhabergeführt. Die Werte des Unternehmers waren auch die Werte des Unternehmens – und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Heute gibt es viele managergeführte Unternehmen. Die Wertorientierung ist meistens eher numerischer Art. „Bei vielen zählen nur noch Geschäftsabschlüsse. Es geht um Gewinnmaximierung – um jeden Preis“, sagt Kenan Tur, der für sich vor einiger Zeit entschieden hat, in so einer Welt nicht mehr arbeiten zu wollen. Nach 17 Jahren kündigte er seinen sicheren, gutbezahlten Job bei General Motors und gründete die Business Keeper AG. „Im Grunde geht es bei allem, was wir tun, um eine sehr einfache Frage: Wie wollen wir uns verhalten?“

Stefanie Paul
Kluge Köpfe 2014