Ab durch den Zaun!

Ein virtueller Zaun, eine App und dazu die passende Software von Bitplaces – und schon ist die lokal basierte Werbung auf dem Smartphone perfekt

Dr. Behrend Freese Foto: Franziska Krug

Für manche Menschen sind Zäune ein großes Hindernis. Stößt man auf sie, gibt es meistens kein Weiterkommen. Für andere dagegen sind Zäune genau das Gegenteil. Sie sind das Tor zu einer neuen Welt. So wie zum Beispiel für Behrend Freese. Bei ihm sind die Zäune unsichtbar und heißen Geofences. Es sind virtuelle Zäune – und wir laufen jeden Tag an ihnen vorbei oder durch sie hindurch. Normalerweise merken wir von ihnen nichts. Es sei denn, wir haben auf unserem Smartphone eine App – mit einer speziellen Software. Diese hat Behrend Freese mit seiner Firma Bitplaces entwickelt. Mit deren Hilfe können uns diese virtuellen Zäune darauf hinweisen, dass eine Filiale unserer Lieblingscafékette gleich um die Ecke ist. Oder ein Supermarkt, bei dem die Tomaten heute im Angebot sind. Lokal basierte Werbung nennt sich das Ganze.

Die Geofences senden dabei  ein Signal aus, wie eine Art W-Lan. „Kommt die App nun mit dem Zaun in Berührung, wacht das Programm sozusagen auf“, erklärt Behrend Freese. Konkret heißt das: Die Anzeige erscheint auf dem Handy-Display. Das Besondere dabei ist, dass die App vorher nicht extra geöffnet werden muss. „Proaktiv“ nennen das die Fachleute auch. Der Nutzer und die Nutzerin können selbst bestimmten, welche Art von Werbung auf dem Smartphone angezeigt werden soll: Sei es die Tageskarte des Stammitalieners, das nächste Antiquariat, Jobangebote oder die Sehenswürdigkeiten einer Stadt. Zudem legt man fest, wie oft und wie lange diese Nachricht zu sehen sein soll. Oder  ob zum Beispiel als Push- oder Hintergrundbenachrichtigung. „Es ist nicht einfach nur eine Werbeanzeige, sondern eine zielgenaue Ansprache für den Kunden“, erklärt der Unternehmer. Der Kunde bestimmt, worüber er informiert werden soll.

Die dazu nötige Software hat Behrend Freese zusammen mit Professor Axel Küpper und Dr. Peter Ruppel entwickelt. Beide lehren an der Technischen Universität Berlin.  2011 gründete das Trio das Unternehmen Bitplaces. In Kooperation mit der Deutschen Telekom entstand ein Prototyp. Während der Entwicklung mussten die Unternehmer verschiedene Schwierigkeiten überwinden: zum Beispiel die strengen deutschen Datenschutzbestimmungen. Die Daten werden anonymisiert und dürfen nicht dauerhaft gespeichert werden. Zudem sollte die Anwendung nicht zusätzlich den Akku belasten. Im März 2013 konnte schließlich die marktfähige Software an den Start gehen. Angeboten wird sie nun als reiner Cloud-Service sowie als Abo-Modell. Kundinnen und Kunden sparen sich so die Anschaffung kostspieliger Hardware. Für Großkunden wie zum Beispiel „Die Gelben Seiten“ wird die Software noch zusätzlich individualisiert. „Die Idee hinter Bitplaces ist grundsätzlich einfach. Wir haben uns gefragt, wie bekommt man die Kunden wieder in die Läden“, erklärt der Unternehmer. Sprich: Wie kann sich die Online-Welt wieder mit der Offline-Welt verbinden?

Online sind Bitplaces keine Grenzen gesetzt, in Barcelona, Krakau und New York findet die Software schon Anwendung. In der Offline-Welt sind Charlottenburg und dort das Gründerzentrum CHIC das Zuhause des Unternehmens. „Uns war die Nähe zur TU sehr wichtig“, sagt Behrend Freese und schwärmt weiter „der Standort ist für uns einfach ideal.“

Stefanie Paul
Kluge Köpfe 2014