Auf Erfolgskurs

Geschäftsmodelle auf Abonnement-Basis boomen. Die technischen Anforderungen sind allerdings hoch. Das Unternehmen keylight entwickelt die dafür nötige technische Infrastruktur

Dr. Daniel Werner, Dr. Marco Sarich © keylight GmbH

Früher kaufte man sich ein Auto, fuhr damit eine Zeit lang umher und wenn es kaputt war, ließ man es entweder reparieren oder kaufte sich gleich ein neues. Früher ging man auch noch in Geschäfte, kramte in den Regalen und kaufte wahlweise eine CD oder eine DVD – oder suchte nach der neuesten Version des Office-Pakets. Heute wählt man aus zahlreichen Carsharing-Angeboten genauso wie aus verschiedenen Streaming-Diensten.

Subscription Economy heißt diese Entwicklung. Das bedeutet, es werden nicht mehr einzelne Produkte gekauft, sondern Serviceleistungen gebucht. Anders als traditionelle Abos ist diese Form individuell anpassbar, extrem flexibel und jederzeit kündbar. Das ist für Kunden*innen super einfach und bequem, für Unternehmen aber kompliziert. Das fängt zum Beispiel bei den Abrechnungen an: Wann wird bei wem wie abgebucht, monatlich oder quartalsweise? Nach Verbrauch? Im Paket? Oder gibt es einen Freimonat? Damit das alles funktioniert, brauchen Unternehmen ein Konzept, eine entsprechende Infrastruktur und eine leistungsfähige IT. Das alles kann das Berliner Unternehmen keylight liefern.

„Ich glaube, wir sind sehr gut darin, komplexe Zusammenhänge zwischen Technologie und Technik zu begreifen und ganzheitlich umzusetzen“, beschreibt Daniel Werner das Alleinstellungsmerkmal des Start-ups. Zusammen mit Marco Sarich hat er vor drei Jahren keylight gegründet. Das war der Beginn einer großen Learning Journey: Beide haben an der Freien Universität Berlin (FU) Mathematik studiert, promoviert und sich über einen gemeinsamen Freund näher kennengelernt. Sie beschließen, ein Unternehmen zu gründen, sozusagen aus dem Stand heraus, ohne Kunden, ohne Businessplan und mit „wenig konkretem Wissen, aber großem Interesse, was Wirtschaft oder Technik angeht“, erzählt Werner.

Im ersten halben Jahr hatte ihr Unternehmen daher noch keinen konkreten Zweck. „Wir haben uns quasi auf den See gesetzt, aber in welche Richtung wir fahren mussten, wussten wir nicht“, sagt Marco Sarich. Doch die beiden Mathematiker sind motiviert, wiss- und lernbegierig, sie beschäftigen sich mit neuen Themen wie Subscription, eignen sich neue Methoden, neues Wissen und neue Technologien an.

„Es gibt viele Leute, die talentiert sind, aber man braucht auch das Quäntchen Glück“, erklärt Daniel Werner. Und das haben die beiden. Mittlerweile hat keylight 28 Mitarbeiter, vor fünf Monaten sind sie vom Charlottenburger Innovations-Centrum (CHIC) umgezogen in ein größeres Büro an der Nürnberger Straße, zudem wurde eine Niederlassung in Zürich gegründet. Zu ihren Kunden gehören unter anderem MAN, Rolls Royce, Trivago oder Celonis, ein  „Einhorn“ unter den deutschen Start-ups. Bei all dem haben sie auf externe Investoren verzichtet. Sie wollten langsam wachsen, aber dafür solide und fundiert.

Stolz erzählen die beiden, dass jeder, der hier einmal angefangen habe zu arbeiten, immer noch dabei sei. „In IT-Unternehmen verlassen Mitarbeitende häufig bereits nach sechs bis neun Monaten wieder das Unternehmen. Dann ruft ein Headhunter an und die Leute sind weg“, erzählt Sarich. Die Headhunter rufen natürlich auch bei den Leuten von keylight an. „Aber aus irgendeinem Grund bleiben die hier“, sagt Werner und schmunzelt. Das hat wohl mit der Firmenphilosophie zu tun. Für die beiden Chefs ist Wissen, das man untereinander austauscht und weitergibt, das wertvollste Gut eines Unternehmens. Und für Wissen gibt es bekanntlich keine Grenzen.

Stefanie Paul
Kluge Köpfe 2018