Blick nach vorne mit der Gedächtniskirche im Rücken

Das IT-Dienstleistungsunternehmen disserto optimiert Unternehmensabläufe – und führt nebenbei Word aus seinem Schattendasein als Schreibmaschine heraus

Michaela Goerlitzer-Klingenberg, Andreas Klingenberg Foto: Alexander Klebe, Brightside Studio

IBM, AOL, SAP... – wer es in der IT-Branche zu etwas bringen will, scheint ihn zu brauchen, den Namen aus drei Buchstaben. Andreas Klingenberg und seine Frau Michaela Goerlitzer-Klingenberg aber haben sich bewusst dagegen entschieden. Sie haben ihrem IT-Dienstleistungsunternehmen den Namen „disserto“ gegeben: Das ist Latein und bedeutet „besprechen, erörtern, gründlich auseinandersetzen“. „Wir können uns sehr gut in die Prozesse unserer Kunden eindenken“, sagt Geschäftsführerin Goerlitzer-Klingenberg, „außerdem sind wir technikaffin: Wir verbinden Prozess-Know-how mit Technologie.“

Seit 2007 entwickelt disserto Unternehmenslösungen für diejenigen, „bei denen der Mensch im Mittelpunkt steht.“ Das sind Dienstleistungsfirmen, die ihren Umsatz nicht erzielen, weil sie eine Ware verkaufen, sondern die ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Projekte einsetzen und  kalkulieren. Dazu zählen zum Beispiel Unternehmensberater*innen, Wirtschaftskanzleien und Ingenieurbüros, Projektsteuerung  und Dienstleistungsunternehmen. disserto unterstützt sie hier vor allem in den Bereichen Personal-, Auftrags-, Projekt- und Vertragsmanagement – entweder mit reiner Beratung oder eigenen und neuen Lösungen, die auf den Kunden zugeschnitten sind. All dies geschieht auf Basis von Microsoft-Produkten und -Strukturen: „Wir tun das nicht, weil wir Microsoft-Fanatiker sind, sondern weil die Lizenzen häufig schon vorhanden sind“, sagt Klingenberg, der für das operative Geschäft und die Entwicklung zuständig ist.

disserto nutzt die bestehenden Technologien und führt Themen wie Kommunikation, Dokumentenmanagement oder Costumer-Relationship-Management (CRM), die Kundenpflege, zueinander. „Die meisten benutzen Word wie eine Schreibmaschine und Excel wie einen Taschenrechner – aber weniger als Interaktionsoberfläche“, erklärt Klingenberg. Um Prozesse zu vereinfachen, werden beispielsweise diese „Word-Schreibmaschinen“ in Programme „umgewandelt“, die Dateien automatisiert  aus den richtigen Ordnern heraussuchen, wieder einordnen und mit den nötigen Informationen verknüpft darstellen.

Die Consultants und Entwickler*innen agieren dabei vor allem im mittelständischen Bereich, in Unternehmen, die um die 150 bis 250 Mitarbeiter*innen haben. Hier entwickeln sie Lösungen und verknüpfen Daten für Rechnungen, Aufträge, Mahnungen oder die Arbeitszeiterfassung. „Wir machen all das – aber nicht technologiehörig, sondern technologiebezogen. Man muss nicht zwangsweise jedem Trend nachfolgen. Man muss eine gute Mischung finden, die auch die Tradition des jeweiligen Unternehmens widerspiegelt“, sagt der gelernte Kaufmann und schaut hinaus auf die Tauentzienstraße, wo ihm die Berliner Geschichte entgegenblickt.

Dass man die Gedächtniskirche sieht, wenn man bei disserto aus dem Fenster guckt – und nicht den Alex oder das Kottbusser Tor – ist kein Zufall. „Es war uns wichtig, uns als etabliertes Unternehmen zu positionieren. Wir wollten nicht diesen In-Status haben, den man bekommt, wenn man nach Mitte zu den Start-ups zieht“, sagt Klingenberg, der auch auf andere Weise in der City West verwurzelt ist, da er in Schöneberg geboren wurde. Dennoch steht Innovation für disserto an erster Stelle. Da zählt dann auch ein „Das wird seit 15 Jahren so gemacht“ nicht mehr.

Susanne Hörr
Kluge Köpfe 2014