Blickrichtung: Zukunft

Seit 2017 leitet Florian Hoos das Centre for Entrepreneurship der TU Berlin. Für ihn ist es wichtig, dass Start-ups neben dem ökonomischen auch einen gesellschaftlichen und ökologischen Mehrwert haben

Dr. Florian Hoos © Nicholas Reitzaum

Das Baguette heißt hier Schrippe. Die Champs-Élysées heißt Ku`damm und wer von irgendwo runterkiecken will, der steigt auf den Funkturm. Die CITY WEST ist nicht Paris, braucht sie aber auch gar nicht zu sein. „Was die Lebensqualität anbelangt, ist Berlin ein Fortschritt“, sagt Florian Hoos. Seit März 2017 ist er Leiter des Centre for Entrepreneurship der Technischen Universität Berlin (TUB). Zuvor lehrte Hoos mehr als fünf Jahre lang an der HEC in Paris, wurde in dieser Zeit sogar unter die 40 weltweit besten Business-School- Professoren unter 40 Jahren gewählt.

Jetzt also Berlin, Hardenbergstraße. Wieso? „In meinem Job war ich an einem Punkt, an dem eigentlich alles fantastisch zusammenkam“, sagt der 37-Jährige. Doch als Professor steht man eben nicht nur im Hörsaal und unterrichtet Studierende, sondern man muss auch publizieren – und zwar ziemlich viel und ziemlich regelmäßig. „Wenn man das richtig machen will, dann muss man 90 Prozent seiner Zeit nur für Publikationen aufbringen“, sagt Hoos. Das wollte der überzeugte Europäer ändern, denn zu gerne steht er im Klassenraum, zu gerne arbeitet er praktisch und projektbezogen. Zu sehr sieht er sich als „Prakademiker“.

Beides, also Praxis und Theorie, kann er nun im Centre for Entrepreneurship verbinden. Die zentrale Frage seiner Arbeit: Wie bekommt man technische Innovationen aus der Universität in die Gesellschaft, um dort nicht nur einen ökonomischen, sondern auch einen ökologischen und gesellschaftlichen Mehrwert zu stiften. Im Fall der TUB sind damit Start-ups gemeint, die sich mit „potenziell disruptiven Technologien“ beschäftigen. Beispielsweise mit neuen Techniken in der Datenübertragung und der Frage, wie man in den Serverzentren der Zukunft besser Energie einsparen kann.

Zwischen 30 bis 50 Ideenskizzen landen pro Monat bei Florian Hoos‘ Team. Zirka drei Unternehmen werden für jeweils 12 bis 18 Monate im sogenannten Inkubator aufgenommen. „Das sind Hightech-Start-ups, bei denen wir eine gesellschaftliche oder ökologische Wirkung sehen“, sagt Hoos. Er selbst hat zum Thema „Unethisches Verhalten von Topmanagern“ promoviert und in einem Projekt der Entwicklungszusammenarbeit an der Elfenbeinküste gearbeitet. Damals kam er zum ersten Mal mit Unternehmertum mit dreifacher Wirkung – ökonomisch, sozial, ökologisch – in Berührung.

Was er in seiner Zeit am Centre for Entrpreneuship gelernt hat? Florian Hoos überlegt kurz und sagt dann: „Zuhören. Das ist, glaube ich, ein ganz wichtiger Skill, um so ein Zentrum zu leiten.“ Das sei auch der Unterschied zur seiner früheren Arbeit, zur Professur. „Da geht es eigentlich mehr um einen selbst, um die eigene Publikation, die eigene Lehrevaluierung.“ Jetzt sei dagegen Teamarbeit gefragt. Berlin ist eben nicht Paris – und das ist gut so.

Stefanie Paul
Kluge Köpfe 2018