Brücken bauen über europäischen Wissensklüften

Das Unternehmen integral-learning macht die Lehre mit Online-Angeboten effizienter. Die Lösung ist: eine MUMIE

Prof. Dr. Ruedi Seiler, Marek Grudzinski (v.l.) Foto: integral-learning GmbH

Am Ende des Ku´damm sitzt ein Bauunternehmen, das keines ist: integral-learning baut Brücken und schließt Lücken. Das IT-Unternehmen tut dies allerdings nicht mit Mörtel und Spatel, sondern mit Bits  & Bytes. Das Team um Prof. Dr. Ruedi Seiler und Marek Grudzinski hat sich auf das Schließen von Wissenslücken spezialisiert und ist unter anderem im Bereich E-Learning tätig.

An der Technischen Universität Berlin (TUB) hat Seiler selbst Mathematik unterrichtet – und gemerkt, dass es immer schwieriger wurde, der wachsenden Masse an Studierenden das Wissen mit den herkömmlichen Mitteln zu vermitteln. „Also fing er an, ihnen Werkzeuge an die Hand zu geben, die mit der Zeit – als auch die Technik sich weiterentwickelte – brauchbar wurden“, erzählt Grudzinski, der selbst im Rahmen seines Informatikstudiums an der TUB mit an der Lernplattform feilte. In Kooperation mit mehreren Universitäten im In- und Ausland ist so eine Open-Source-Lösung entstanden, deren Name eher an das alte Ägypten und nicht an Vektoren, binomische Formeln und Gleichungen erinnert: Die Lernplattform MUMIE (steht für „Multimediale Mathematikausbildung“).

Mittels wissenschaftlicher Studien wurde ein didaktisches Konzept entwickelt, das die Studierenden im Lernkreislauf ihrer Uni-Woche unterstützen soll: „Im Vordergrund steht hierbei das explorative Lernen. Das Engagement des Einzelnen soll gefördert werden.“ Während Grudzinski erzählt, klickt er sich durch eine Demo-Version: Eine kleine Mumie steht am Bildschirmrand und kratzt sich am Kopf, während das Programm bunte Graphen ausspuckt und immer neue Aufgaben erstellt.

In ganz Europa sitzen Abiturient*innen und angehende Ingenieur*innen am Rechner und polieren mit der MUMIE ihr Wissen auf: Während die Plattform an mehr als einem Dutzend deutscher Universitäten als Online-Mathematik-Brückenkurs für Abiturient*innen eingesetzt wird, verwendet es die Kungliga Tekniska Högskolan in Stockholm dazu, die Wissenslücke zwischen Bachelor und Master zu schließen. „Bei der MUMIE handelt es sich um ein System mit verschiedenen Bausteinen. Es ist vielseitig einsetzbar, beliebig viele personalisierte Aufgaben können automatisch korrigiert und bewertet werden“, sagt Grudzinki. integral-learning bieten neben technischem Support auch ein Call Center an, wo Studierende Tutor*innen direkt erreichen können.

Da die Kassen der Hochschulen leer sind, der Bedarf an Online-Lehrangeboten aber dennoch da ist, entwickelt integral-learning nun auch Kurse für den individuellen Bedarf. Das Unternehmen bringt seine Softwareentwicklungsexpertise allerdings nicht nur im Bereich E-Learning ein: Gemeinsam mit Partnerfirmen entwickelt es für Kunden wie DHL, bettermarks oder MyLorry Softwarelösungen. Letztlich ist es ist die Bildung, die Seiler am Herzen liegt. Und die darf auch etwas kosten, findet Grudzinski: „Die Bereitschaft, für Bildung ein bisschen Geld in die Hand zu nehmen, ist in den Nachbarländern viel größer als in Deutschland.“ Er hat Glück, denn der Markt in Europa ist groß, angehende Ingenieurinnen und Ingenieure gibt es viele – und die MUMIE spricht viele Sprachen.

Susanne Hörr
Kluge Köpfe 2014