Brückenkopf nach Nahost

Was als kleines Unternehmen für Lichttechnik begann, ist heute ein Dienstleister mit Großprojekten im arabischen Raum. Angeführt wird das kleine Unternehmen von einer Frau

Carola Schild © Le-vi Elektrovertrieb GmbH

Etwa zweieinhalb Millionen Muslime pilgern jährlich nach Mekka. Die Heilige Moschee mit ihrem weitläufigen Innenhof ist die weltweit größte, 900.000 Menschen kann sie aufnehmen. Für Mekka bedeutet der alljährliche Pilgerstrom eine Vielzahl logistischer Herausforderungen. Sicherheit ist eine von ihnen. Es ist eine Berlinerin, die dazu beiträgt, dass der Haddsch, die große Pilgerfahrt, sicherer verlaufen kann.

Carola Schild ist Geschäftsführerin der Le-vi Elektrovertrieb GmbH. Ein Name, der sich ein bisschen danach anhört, als sei die Firma ein kleines Unternehmen mit Steckern und Schaltern im Angebot. Tatsächlich liegen die Anfänge vor zwanzig Jahren im Handel mit Beleuchtungstechnik. Doch das änderte sich nur wenige Jahre später: „Nach 9/11 rief plötzlich alles nach Sicherheit“, sagt Schild, „deshalb stellten wir weite Geschäftsbereiche auf Systeme für Sicherheit und Zutrittskontrolle um.“ Die Heilige Moschee in Mekka ist eines der Vorzeigeprojekte, doch stolz ist die 56-jährige Schild auf alle ihre Projekte, vor allem in Saudi-Arabien, den Emiraten, Katar und Marokko. „In den vergangenen Jahren haben wir uns zusätzlich auf den nordafrikanischen Raum fokussiert, weil dahin sehr enge Kontakte geknüpft wurden“, sagt sie.

Die Vorstellung, als Geschäftsfrau sei es in konservativen muslimischen Ländern wie Saudi-Arabien besonders schwer, sich durchzusetzen, teilt sie nicht: „Ich unternehme ganz normale Geschäftsreisen, aber passe mich den Gepflogenheiten an“, sagt die Christin. Kultur-Seminare hat sie nie besucht, um sich auf Kontakte im Nahen Osten einzustellen, stattdessen vertraut sie ihrer Intuition. Sie muss damit richtigliegen: Im saudischen Jeddah, einer der Wirtschaftsmetropolen des Landes, ist sie von öffentlichen und privaten Kunden mit der Planung und Ausstattung von Sicherheits- und Beleuchtungstechnik beauftragt.

Wenn sie in den Nahen Osten reist, dann nicht nur als Geschäftsfrau, sondern auch als Mittlerin der Kulturen. Die guten Kontakte Schilds, die ihr Unternehmen einen „Brückenkopf in den Nahen Osten“ nennt, haben sich herumgesprochen. Reist sie inzwischen in die muslimische Welt, ist sie so etwas wie eine Diplomatin der deutschen Wirtschaft: Mehrere bekannte Hersteller vertritt das Unternehmen exklusiv auf der arabischen Halbinsel, weil sie selbst keine Dependancen dort haben. Andere Unternehmen berät Schild, weil sie sich vor Ort wenig auskennen oder ihnen die Erfahrungen mit arabischen Geschäftspartnern fehlen.

In ihren ersten Berufsjahren hat Schild für die Porzellanmanufaktur Rosenthal in Paris gearbeitet, „das hat mich nie ganz losgelassen“, sagt sie. Mit ihrem deutsch-arabischen Netzwerk und ihren vielen Reisen wuchs auch ihr Interesse für die Kunst im Nahen Osten. In Charlottenburg will sie demnächst eine Galerie eröffnen, die sich vornehmlich auf Künstler*innen aus diesem Raum fokussiert und ein Ort der Begegnung und des Austausches ist. „Die Welt ist immerfort in Bewegung“, sagt Schild, „wer auf einem Punkt verharrt, der bleibt auf der Strecke.“ In Deutschland genauso wie in Saudi-Arabien.

Michael Sellge
Kluge Köpfe 2017