Das Herz schlägt am Knie

CB.e Clausecker | Bingel AG gehört zu den größeren inhabergeführten Kommunikationsagenturen Deutschlands. Das Herz des Unternehmens schlägt in der City West

Sabine Clausecker, Eberhard Bingel © CB.e Clausecker | Bingel AG

Ernst-Reuter-Platz 2. Mehr Charlottenburg geht wohl kaum. Unten rauschen die Autos durch den nachmittäglichen Berliner Verkehr. Sie drehen ihre Runden auf dem riesigen Kreisverkehr, biegen ab Richtung Zoologischer Garten, Richtung Bismarckstraße oder Großer Stern. Früher hieß der riesige Platz einmal „Knie“. Weil der kilometerlange, schnurgerade Straßenzug zwischen dem ehemaligen Stadtschloss, im heutigen Bezirk Mitte, und dem Schloss Charlottenburg ausgerechnet an dieser Stelle einen Knick aufwies. Kennt man die Vorliebe der Berlinerinnen und Berliner für skurrile Spitznamen, klingt das fast ein bisschen langweilig. Seit 1953 trägt der Platz den Namen eines großen Mannes, eines großen Berliners: Ernst Reuter. Unvergessen bleibt dessen vor der Ruine des Reichstagsgebäudes am 9. September 1948 ausgerufener Satz: „Ihr Völker der Welt, schaut auf diese Stadt!“

Ernst-Reuter-Platz 2. Mehr Charlottenburg geht wohl kaum. Für Sabine Clausecker der ideale Platz. Die 49-Jährige sitzt in einem Büro im zweiten Stock der großen, silbergrauen ehemaligen IBM-Firmenzentrale. Zusammen mit Eberhard Bingel hat sie die Kommunikationsagentur CB.e Clausecker | Bingel AG gegründet. Das war vor 16 Jahren. Heute gehört das Unternehmen zu den größeren inhabergeführten Kommunikationsagenturen Deutschlands. 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt CB.e an den Standorten Berlin, Frankfurt und Stuttgart. Das Herz des Unternehmens schlägt jedoch in Charlottenburg – und das hat seinen guten Grund. Clausecker und Bingel sind Charlottenburg-Fans, durch und durch. „Old school is new school“, sagt die Unternehmerin. Nie wären die beiden auf die Idee gekommen, mit ihrer Agentur nach Friedrichshain oder gar nach Mitte umzusiedeln. Nur weil das vielleicht irgendwann irgendjemand einmal für angesagt, hip und trendy hielt.

Seit fünf Jahren hat das Unternehmen seinen Hauptsitz am Ernst-Reuter-Platz, davor war die Agentur viele Jahre lang am Kurfürstendamm zuhause. Charlottenburg sei vielleicht ein bisschen eleganter, ein bisschen arrivierter, „aber deshalb nicht weniger kreativ“ als andere Berliner Bezirke, ist sich Clausecker sicher. Für sie ist die City West der „erwachsenere Teil“ Berlins – mit mehr Sein als Schein, mit einem eigenen Stil, mehr Kontinuität. „Charlottenburg ist ein toller Bezirk, in dem wahnsinnig viel passiert“, schwärmt Clausecker. Dennoch sollte sich der Bezirk in Zukunft noch stärker von Mitte emanzipieren.

Der amerikanische Manager Lee Iacocca, ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Chrysler, sagte einmal: Die einzige Möglichkeit, Menschen zu motivieren, sei die Kommunikation. Genau das ist es, was die Berliner Agentur tut. „Wir machen keine Werbung für Schweinebäuche“, erklärt Sabine Clausecker überspitzt. Stattdessen vermittelt die Agentur Botschaften und Themen. Ein Schwerpunkt der Arbeit sind partizipative Angebote. Man wolle die Leute mit ins Boot holen, sie aufklären und mit ihnen in einen Dialog treten. Die Menschen sollen sich informieren, interessieren und engagieren.

So wie beispielsweise bei der Informations-offensive der Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB), die für den Netzausbau im Zuge der Energiewende werben. An dieser Stelle unterstützt CB.e die ÜNBs bei der di-alogorientierten Prozesskommunikation. Ein illustrierter Film etwa informiert über den Netzentwicklungsplan Strom. Zu sehen ist er auf der zugehörigen Internetseite, die auch CB.e realisiert hat. Über eine Eingabeplattform können geplante Maßnahmen kommentiert werden, so dass die öffentliche Meinung die Verantwortlichen erreichen kann. Ebenso betreibt die Agentur die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und organisiert Veranstaltungen für interessierte Bürgerinnen, Bürger, NGOs und Betroffene. „Es geht nicht darum, den Leuten einfach etwas vorzusetzen und zu sagen: Das ist es jetzt“, sagt Clausecker, sondern sie – soweit möglich – in den Prozess einzubinden.

Neben der klassischen Unternehmenskommunikation ist die Agentur außerdem noch in anderen Bereichen tätig. Sie konzipiert zum Beispiel Messestände und Ausstellungen. Kommunikation im Raum nennt sich dieses Arbeitsfeld. Zusätzlich organisiert die Agentur große Events wie die Hauptversammlungen von Daimler und Lufthansa oder das Sommerfest des Bundespräsidenten. Dann betreuen die Kommunikations-Profis bis zu 12.000 Gäste in der Messe Berlin oder im Schloss Bellevue. In dem Moment schlägt das Herz nicht nur am Knie.

Stefanie Paul
Kluge Köpfe 2013