In der Stadt der Gleichgesinnten

Das Start-up cloudControl hilft anderen einfacher und schneller Webanwendungen zu kreieren und hat etwas geschaffen, das die Web-Welt verändert

Tobias Wilken, Philipp Strube, Thomas Ruland (v.l.) Foto: cloudControl GmbH

Mitten in der Finanzkrise, im Winter 2008/2009, fand sich Thomas Ruland plötzlich auf dem blauen Sofa wieder. Dort, im Schlafzimmer von Mitgründer Philipp, drängte sich dem heute 31-Jährigen eine Frage auf: „Warum eigentlich irgendwelchen langweiligen Jobs nachgehen, wenn wir auch etwas schaffen können, das die Welt verändert.“ Es war der Moment, in dem aus seinem alten Leben ein neues wurde: Sinn statt Geld, Herzblut statt Nine-to-Five, Start-up statt Investmentbank.

Eigentlich wollte Ruland nur die Zeit zwischen zwei Jobs überbrücken und seinen Schulfreunden mit dem Business-Plan für ihre Idee helfen. Doch dann kam der Eco Award – die erste von vielen Auszeichnungen und Preisen – und so gründete er gemeinsam mit dem Juristen Philipp Strube und dem IT-Systemelektroniker Tobias Wilken cloudControl. Mit Erfolg: Heute, fünf Jahre später, haben sie ihren amerikanischen Konkurrenten dotCloud gekauft.

Wer als Laie auf ihre Website geht, wird nicht viel verstehen – und das nicht, weil die Unternehmenssprache Englisch ist. Der Dienst richtet sich an Software-Entwicklerinnen und -entwickler, die mit Vokabeln wie „Supercharge Development“ oder „scale applications“ etwas anfangen können. „Wir sind diejenigen, die anderen die Schaufeln zum Goldgraben geben“, tastet sich Ruland an die Beschreibung der Geschäftsidee heran. „Wir sind eine PaaS, eine Platform as a Service“, fährt er fort und greift dann doch zum Stift, um die Welt des Cloud Computings und den Platz ihres Start-ups darin zu skizzieren.

Letztlich stellt cloudControl denjenigen, die an einer Applikation basteln, eine Umgebung zur Verfügung, auf der sie einfacher und schneller ihre Webseiten kreieren, betreiben und skalieren können. Wenn zum Beispiel viele auf ein Angebot zugreifen, kümmert sich cloudControl darum, dass man über automatisierte Prozesse mehr Rechenleistung erhält, damit auch alle die Webseite aufrufen können. „Wir  sind nicht derjenige, der den E-Commerce-Shop baut, sondern diejenigen die sicherstellen, dass man sich keine Sorgen mehr über Serverkapazitäten machen muss. Wir bieten allen, die Web-Seiten entwickeln und betreiben, die optimale IT-Infrastruktur“, sagt Ruland und blickt durch die Glasscheibe des Konferenzraums in den Nebenraum.

Dort steht das blaue Sofa heute – direkt neben dem Kicker und dem Kühlschrank mit den Club Mate-Flaschen. Es ist mit von Bonn in die City West gezogen – rein in das Ökosystem der Start-ups, in dem die drei Gründer das fanden, was sich suchten: Kunden und Early Adopter, Menschen also, die aufgeschlossen für Neues sind. Und Gleichgesinnte, denen es eher um die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit als um Geld geht. Rückblickend sagt Ruland: „Wenn man in Deutschland etwas gründet, dann macht man das in Berlin.“

Susanne Hörr
Kluge Köpfe 2014