Die Erweiterung der dritten Dimension

»Wir haben eine Mission, denn bei neuen Technologien hat man oft das Problem, dass die Inhalte dafür fehlen. Diese Lücke wollen wir füllen.«

Foto: Volker Döring

Autos, die auf uns zurasen, Schauspielerinnen und Schauspieler zum Greifen nah und Action-Szenen, bei denen man sich mittendrin wähnt – das alles ist mit Filmen in 3-D zur Realität geworden. Durch die Digitalisierung erlebt die Branche seit ein paar Jahren einen enormen Boom: 3-D-Kinos sprießen wie Pilze aus dem Boden und fast alle großen Kinofilme werden in 3-D-Format angeboten. Die Grundidee ist einfach: Mit Hilfe eines zweiten Bildes wird ein dreidimensionales, plastisches Raumbild erzeugt. Vorbild ist dabei der natürliche Sehvorgang, bei dem das Bild des rechten und das Bild des linken Auges in unserem Gehirn ebenfalls zu einem räumlichen Bild zusammengesetzt werden.

Es gibt zwei Möglichkeiten, einen 3-D-Film herzustellen: Entweder wird er gleich mit 3-D-Kameras gedreht oder er muss von 2-D auf 3-D umgewandelt werden. Mit der Konvertierung befasst sich die Firma imcube. Bis vor kurzem war die Umwandlung noch weitgehend Handarbeit. Bei 24 Bildern pro Sekunde musste Bild für Bild ein zweites geschaffen werden. Dazu wurde allen Objekten auf dem Bild eine sogenannte Tiefeninformation zugewiesen, um sie im Raum anzuordnen. Selbst mit vielen hundert Angestellten dauerte das gerne mal ein Jahr. Die innovative Software von imcube übernimmt nun diese Arbeit zu einem großen Teil und macht so das Verfahren preiswerter und schneller. „Wir haben eine Mission“, sagt Geschäftsführer Dr. Sebastian Knorr: „Denn bei neuen Technologien hat man oft das Problem, dass die Inhalte dafür fehlen. Im Moment gibt es noch nicht so viele 3-D-Filme, erst zwei Prozent nach einer Studie von PricewaterhouseCoopers. Diese Lücke wollen wir füllen, indem wir den Anteil von 3-D-Filmen auf dem Markt vergrößern.“ Einen indischen Lizenzpartner für die Software gibt es schon und in China entstehen in Kooperation zwei Konversionsfabriken.

Qualität ist Knorr dabei wichtig. Denn schlechte Konvertierungen gibt es genug – mit Folgen für das Publikum: „Das kann man sich ähnlich vorstellen wie auf einem Schiff. Das Gleichgewichtsorgan sagt Ihnen, hier geht es hoch und runter, aber Ihre Augen sagen, alles ist normal. Dieses Problem kann unser Gehirn schwer verarbeiten und es wird einem schlecht“, erklärt Knorr.

2009 gründete der promovierte Elektrotechniker mit seinem Partner imcube als Spin-off aus der Technischen Universität Berlin (TU). Sie fühlen sich wohl am Einsteinufer. „Im Moment ist es uns sehr wichtig, hier zu sein, da wir viel mit Werkstudentinnen und -studenten zusammenarbeiten und der Know-how-Austausch mit anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und dem Heinrich-Hertz-Institut unsere Arbeit bereichert.“

Bettina Tacke
Kluge Köpfe 2011