Die Faszination des Zelluloids

»Für die über 100 Jahre alte Branche Film immer wieder etwas Innovatives zu entwickeln, das ist unser Metier«, Frank Ortwein, Geschäftsführer MWA Nova GmbH

Foto: Volker Döring

Filme auf Zelluloid gibt es seit über 100 Jahren. Will man sie digital bearbeiten, müssen die Filmstreifen gescannt werden. Diese Arbeit erledigen die Filmscanner der Firma MWA Nova. „Man legt die Filmnegative in den Scanner und dann kann man am Computer den Film schneiden, die Farben rot, grün, blau verändern oder aus Tag Nacht machen, Kratzer herausfiltern, zoomen und vieles mehr“, erläutert Geschäftsführer Frank Ortwein. Die Geräte, die in Handarbeit in der hauseigenen Werkstatt hergestellt werden, gibt es für alle gängigen Größen von 8 bis 35 mm.

Die Faszination des Kinos ist ungebrochen, allerdings sind die Zeiten, in denen riesige Filmrollen über einen Projektor laufen, inzwischen zunehmend Vergangenheit. In der Filmproduktion schreitet die Digitalisierung voran. Nur noch große Hollywood-Regisseure wie Steven Spielberg und ambitionierte künstlerische Filmemacherinnen und -macher drehen auf 35 mm Zelluloid. Digitale Kinokameras lösen die Filmrolle zunehmend ab. Ortwein hat auf die Neuorientierung der Branche reagiert und konzentriert sich nun auf Archive. Dort lagern viele Kilometer Film, die für die Nachwelt digitalisiert werden müssen. Mit Ortweins Geräten geht das schneller als in Echtzeit. Darauf hat die Firma sogar ein Patent.

Auch Ton bringen Ortweins Maschinen auf den Film. „Wir haben weltweit den einzigen Filmtonrekorder, der Dolby Digital Ton auf Film aufzeichnen kann“, erzählt Ortwein. Mit dem Dolby Digital Ton hat der Zuschauer oder die Zuschauerin das Gefühl, rundum vom Ton umgeben zu sein. Weltweit gilt MWA Nova als Spezialmaschinenbauer für die Film- und Fernsehindustrie mit den Schwerpunkten Entwicklung, Herstellung, Vertrieb und Service von Filmscannern und Filmrecordern.

MWA Nova hat eine lange Geschichte. Schon 1926 wurde sie als MWA Albrecht gegründet und produzierte größtenteils Magnettonspieler und -kameras. 2002 musste die Firma Insolvenz anmelden. Der studierte Elektrotechniker Ortwein war schon lange als Selbständiger in der Branche tätig und kannte den Geschäftsführer der MWA Albrecht durch seine Arbeit. 2002 übernahm Ortwein die Firma im Zuge der Insolvenz und zog von Wiesbaden nach Berlin. „In Charlottenburg habe ich mich wegen der Nähe zur Universität angesiedelt. Hier gibt es viel mehr innovative Firmen – oft in versteckten Hinterhöfen – als man denkt. Und es ist schön grün und zentral.“ Für die Zukunft hat Ortwein neue Ideen. Die gehen in Richtung digitale Kameras, vielleicht sogar 3-D. Denn: „Für die über 100 Jahre alte Branche ‚Film‘ immer wieder etwas Innovatives zu entwickeln, das ist unser Metier“, resümiert Frank Ortwein.

Bettina Tacke
Kluge Köpfe 2011