Die Finger als Tor zur Welt

»Das klingt ein bisschen nach James Bond, was wir machen, aber das ist inzwischen schon in der Realität angekommen.«, Qui-Ping Zeng, Geschäftsführer IDENCOM Germany GmbH

Foto: Volker Döring

„Das klingt ein bisschen nach James Bond, was wir machen, aber das ist inzwischen schon in der Realität angekommen“, beschreibt Geschäftsführer Qui-Ping Zeng schelmisch seine Firmenidee. Es geht um Fingererkennungssysteme, also im Prinzip um Finger als Ersatz für Schlüssel, Karte oder Kennwort. In alle Arten von Türen, Schließfächern oder Tresoren lassen sich die Geräte  der Firma IDENCOM einbauen, die dann per Fingerabdruckscan geöffnet werden können. Vorbei sind die Zeiten, in denen man stundenlang nach dem Schlüssel suchte oder das Passwort für die Alarmanlage vergessen hatte. Knapp 400 Euro kostet ein Zutrittssystem, so dass die innovative Technik inzwischen nicht mehr nur für James Bond erschwinglich ist.

Die Idee zu seiner Firma hatte Zeng schon als Student der Informatik am Berliner Fraunhofer-Institut: „Damals haben wir für die Polizei Fingererkennungssysteme für Verbrecher entwickelt. Das waren noch richtig große Computer. Da kam mir die Idee, das Ganze kleiner zu machen, zu miniaturisieren, um die Anwendung zu erleichtern.“ Seine erste Anstellung fand der Chinese in der Schweiz, wo er an dem Thema weiterarbeitete. Doch schon nach einem Jahr gründete er IDENCOM. „Ich hatte einfach einen Prototyp im Kopf und wollte etwas daraus machen. Natürlich brauchte man Mut, aber der Kapitalmarkt war 1999 relativ offen für Innovatives und zum Zeitgeist passte es auch. Das war einfach eine sehr aufregende Zeit.“ Seine Idee fasste er auf ein paar Seiten zusammen und faxte sie an Unternehmen in der ganzen Welt. Mit Erfolg: Er wurde mehrfach eingeladen und fand seine ersten Kundinnen und Kunden unter ihnen die Kamerafirma Polaroid oder das führende US-Haustechnikunternehmen Honeywell, die Zeng noch heute die Treue halten.

2002 zog Zeng mit seiner Firma nach Berlin. „Ich war in der schönen Schweiz am Zürichsee, aber es war sehr schwer, gute Ingenieure zu finden. Berlin, insbesondere Charlottenburg, ist hingegen  ideal. Das liegt an der Nähe zum Fraunhofer-Institut und zur Technischen Universität, hier findet man gute Leute und vermisst sonst auch nichts.“ Inzwischen hat der sympathische Firmengründer die Hälfte seines Lebens in Deutschland verbracht, das er als seine zweite Heimat betrachtet.

Das liegt sicher auch am Erfolgskurs von IDENCOM: Seine Fingererkennungssysteme wurden mehrfach ausgezeichnet, nicht nur wegen ihrer Sicherheit und Funktionalität, sondern auch wegen des gelungenen ästhetischen Designs. Im Moment verhandelt Zeng mit der Automobilbranche über den Einsatz seiner Geräte und mit einem Hersteller, der einen sicheren Koffer für den Einsatz bei der nächsten Olympiade anbieten möchte. Die Ära des Schlüssels scheint zu Ende zu gehen.

Bettina Tacke
Kluge Köpfe 2011