Die Haut ist eine Perle

Das Unternehmen DurrDerma bringt ein therapiebegleitendes Hautpflegeprodukt bei Schuppenflechte auf den Markt – komplett frei von Kortison

Frank Veit, Thaher Kamal Foto:DurrDerma Healthcare GmbH

„Irgendwann ist dein Leidensdruck so groß, dass du einfach alles ausprobierst“, sagt Frank Veit. Selbst wenn du weißt, dass es eigentlich „totaler Wahnsinn“ ist. So wie zum Beispiel die Sache mit dem Arzt aus Thailand. Bei dem hatte Veit ein Mittel gegen Schuppenflechte, Psoriasis, bestellt. Angeblich frei von Kortison. Doch das Gegenteil war der Fall. Das Präparat war aber nicht nur voller Kortison. Sondern auch voller anderer Giftstoffe. Und ganz nebenbei auch noch Nieren schädigend. Frank Veit kennt sich also aus mit Leidensdruck – und mit all den verrückten Dingen, die man seinetwegen tut. Jahrelang litt der 47-Jährige unter Psoriasis und war, wie er selbst sagt, mit der Schulmedizin am Ende. Dabei ist Schuppenflechte keine Seltenheit. Etwa fünf Prozent der europäischen Bevölkerung leiden unter dieser Hautkrankheit. Tendenz steigend.

Die Sache mit dem Leidensdruck gehört mittlerweile der Vergangenheit an – zumindest für Frank Veit. Er sitzt in einem großen Ledersessel in einem Büro im Gewerbehof Bülowbogen. Neben ihm Thaher Kamal. Der Mann mit der Gabe. Der abgefahrene Erfinder. So beschreibt Veit gerne seinen Geschäftspartner. Der 48-jährige Kamal hat ihn von der Schuppenflechte befreit – mit einer selbst entwickelten Salbe, einer Mischung, die auf orientalischem und europäischem naturmedizinischen Wissen basiert. Die Salbe ist frei von Kortison. Dafür aber voller Vitamine, Mineralien, Olivenöl und Schwarzkümmel. Die Wirkstoffkombination der Salbe erfand Kamal schon vor mehr als 20 Jahren. Damals für seine Tochter, die hautkrank und verzweifelt war, wie er erzählt. Die Salbe half. Aber daraus eine Geschäftsidee zu machen – das kam Thaher Kamal damals nicht in den Sinn. Auch nicht in den kommenden 20 Jahren.

Bis zu jenem Zeitpunkt, als der Erfinder auf den Mann aus der Medienbranche traf. Vor rund drei Jahren gründeten sie zusammen die Firma DurrDerma. Al Durr heißt übersetzt: die Perle. Eine Perle besteht aus mehreren Schichten – so wie die menschliche Haut. Das griechische Wort für Haut ist Derma.

Mittlerweile ist die Salbe als medizinisches Kosmetikprodukt in der EU genehmigt, die Patentanmeldung ist erfolgt, der Vertrieb befindet sich im Aufbau. Bis es soweit war, stand die Salbe monatelang auf dem Prüfstand, sie musste unzählige Tests bestehen, diverse Zertifikate nachweisen und Normen erfüllen. Wichtig ist auch die juristisch korrekte Bezeichnung „Therapiebegleitende Hautpflege bei Schuppenflechte“. Denn nicht allen auf dem Pharmamarkt gefällt die neue Salbe.  Vor kurzem endete eine Patiententestreihe an der Berliner Charité. Die Ergebnisse wurden in dem wissenschaftlichen „Journal of Traditional and Complimentary Medicine“ veröffentlicht: Die Salbe half bei 83 Prozent der Patient*innen. Aus juristischen Gründen wäre diese Patientenreihe gar nicht nötig gewesen. „Aber sie ist wichtig für die Betroffenen“, erklärt Kamal. Und sie ist wichtig für die eigene Glaubwürdigkeit.

Die beiden Unternehmer wollen einfach halten, was sie versprechen: anderen Betroffenen effektiv helfen. Das klingt etwas pathetisch. Aber es ist vielleicht so, wie Woody Allen einmal sagte: „Das Leben ist voller Leid, Krankheit, Schmerz – und zu kurz ist es übrigens auch …“ Warum sich also mit Psoriasis aufhalten.

Stefanie Paul
Kluge Köpfe 2015