Die Poesie der Perfektion: Fahrräder von Bella Ciao

»Aufrecht und mit sportlicher Spannung gleitet man auf diesen Rädern durch die Stadt.«, Matthias Maier, Geschäftsführer BELLA CIAO

Foto: Volker Döring

In einem kleinen Fahrradladen bei Mailand entdeckte Matthias Maier Anfang des neuen Jahrtausends ein Fahrrad, das wie von der Zeit vergessen schien. „Dieses Fahrrad war etwas ganz Besonderes“, erinnert sich Maier. „Mich hat vor allem die Rahmengeometrie fasziniert, die besondere Leichtigkeit und Eleganz der Formgebung verbunden mit einer wunderbaren Handwerkstradition. Aufrecht und mit sportlicher Spannung gleitet man auf diesen Rädern durch die Stadt“, schwärmt Maier.

Damals entwickelte er für ein Mailänder Unternehmen internationale Managementstrategien. Als der Diplomkaufmann und Fotograf einige Jahre später nach Berlin zurückkehrte, hatte er neben einer Sammlung klassischer Räder auch eine Vision im Gepäck: handgefertigte Stahlräder, die italienische Eleganz mit deutschem Technikverstand verbinden.

Maier war klar, dass er bei der Realisierung seines Unternehmens einen besonderen Weg gehen wollte. Er baute seine Firma über eine Art Satellitenstruktur auf, da nur noch sehr wenige Familienbetriebe ausreichend spezialisiert sind, die einzelnen Komponenten herzustellen. Die ungewöhnlich schlanken und eleganten Stahlrahmen werden in Italien hergestellt, die auf Hochglanz polierten Felgen in Deutschland, die Technik kommt aus Deutschland und Japan, montiert wird in Sachsen-Anhalt. „Heute verbringe ich 80 Prozent meiner Zeit damit, ausgeprägte Individualisten in unterschiedlichen Ländern zu koordinieren.“ Und das macht Maier großen Spaß. Die gemeinsame Produktentwicklung mit einer amerikanischen Kultbloggerin ist ein weiterer innovativer Weg des Unternehmens, am Puls der Zeit zu sein. BELLA CIAO heißt Maiers Marke, wie das italienische Partisanenlied. Tatsächlich spielte das Fahrrad in der italienischen Widerstandsbewegung während des Zweiten Weltkriegs eine wichtige Rolle: Autos und Motorräder waren von den Faschisten konfisziert worden und der Widerstand organisierte sich maßgeblich über pedalbetriebene Zweiräder. So wurde das Fahrrad in Italien zum Symbol der Freiheit. „Bewusst haben wir uns beim Aufbau der Marke für diesen poetischen Bezug entschieden. Der Gedanke der Freiheit, den unsere Marke verkörpert, ist auch Kennzeichen unserer Unternehmenskultur: Außergewöhnliche Fähigkeiten auf ein klares Ziel vereint.“  

Als gebürtiger West-Berliner hat sich Matthias Maier für den Standort Charlottenburg-Wilmersdorf entschieden. „Mir gefällt die Atmosphäre und die Lebensqualität. Hier gibt es keine Monokultur, sondern eine ganz verbindliche Weltläufigkeit.“ Zwei Jahre nach Unternehmensgründung liegt der jährliche Absatz bereits bei rund 1.000 Fahrrädern. Der Exportanteil beträgt über 50 Prozent. Im unübersichtlichen Fahrradmarkt hat sich BELLA CIAO innerhalb kurzer Zeit etabliert.

Bettina Tacke
Kluge Köpfe 2011