Die Vision vom intelligenten Stromkabel

ubitricity arbeitet an der Elektromobilität von morgen. Für das rechte Maß hat es sich die Physikalisch Technische Bundesanstalt mit ins Boot geholt

© Ubitricity

Gegenwärtig kommt Ladeinfrastruktur für Elektromobilität noch unpraktisch daher – in Form von teuren Ladesäulen, an denen jeweils nur ein oder zwei Autos laden können. Daran wollen Knut Hechtfischer und Dr. Frank Pawlitschek, Gründer und Geschäftsführer der ubitricity Gesellschaft für verteilte Energiesysteme mbH, etwas ändern. Ihre Lösung ist klein: Sie passt in ein Kästchen, momentan noch so groß wie ein Ziegelstein.

Mobile Metering lautet ihr Konzept, bei dem die Abrechnungs- und Messtechnik von der Ladesäule ins Auto oder Ladekabel verlagert wird. Anstelle von Ladesäulen bräuchte man nur noch kosteneffiziente Systemsteckdosen, die keine teure Zähltechnik mehr enthalten. Diese bringt jedes Fahrzeug selbst mit. Ein solches System sei der Grundstein für ein flächendeckendes Ladenetz – so die Vision der beiden Juristen, die 2008 den Sprung ins Unternehmertum wagten.

„Unser Anliegen ist es, intelligente Technik, wirtschaftlich Machbares und das rechtlich Notwendige sauber miteinander zu verkoppeln“, sagt Knut Hechtfischer über das Projekt, das bis 2014 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert wird. Gleich zu Beginn hat er sich deshalb um einen Partner bemüht, der ebenfalls in Charlottenburg sitzt, gerade mal ein paar hundert Meter Luftlinie von ubitricity entfernt, von der breiten Öffentlichkeit aber kaum wahrgenommen wird: das Institut Berlin der Physikalisch Technischen Bundesanstalt (PTB).

Die Aufgabe der 1887 gegründeten Einrichtung ist es, Einheiten darzustellen – vom Kilogramm über den Meter bis hin zur Sekunde – sowie Messrichtigkeit und Messbeständigkeit zu gewährleisten. „Genauso wie es ein vernünftiges System für die Währung geben muss, damit die Wirtschaft funktioniert, muss es ein vernünftiges System der Maße geben“, sagt Prof. Dr. Hans Koch, Institutsleiter Berlin der PTB. Im Fall von ubitricity arbeitet Dr. Norbert Zisky, Leiter der PTB-Arbeitsgruppe Datenkommunikation und -sicherheit, an einem sicheren elektronischen Messdaten-Austausch. Er ist dafür zuständig, dass der Prozess reibungslos abläuft, bei dem alle Systeme identifiziert, Stromverbrauch gemessen, Daten mit Uhrzeiten verknüpft und über Mobilfunk alles vom Auto an das zentrale Datensystem übermittelt wird. „Man muss darauf vertrauen können, dass die Daten auch tatsächlich von der Quelle kommen, von der sie vermeintlich stammen“, so Zisky.

Grundsätzlich steht die PTB jedem zur Verfügung, der eichrechtliche Fragen hat. Man betreibe keine Exklusivforschung, betont Koch: „Unser Kerngeschäft ist die Darstellung von Einheiten, aber wir sind nicht einfach nur eine Behörde, sondern ein Forschungsinstitut, das die Grenzen der Messtechnik erweitert. Das machen wir nicht im Elfenbeinturm, als l’art pour l’art, sondern so, dass es in Form von Kooperationen wie jener mit ubitricity auch praktisch in die Wirtschaft kommt.“

Hechtfischers Vision hört nicht beim intelligenten Stromkabel auf. Er möchte sein System harmonisch in das Smart Grid integrieren, wobei  das Auto als Stromspeicher dient und vor allem erneuerbare Energien nutzt: „Wir wollen all das miteinander verknüpfen, was schon da ist: Strom, eine Steckdose und das Mobilfunknetz. Das Einzige, das wir noch mitbringen müssen, ist etwas Intelligenz, damit aus dem gewöhnlichen Elektroauto ein intelligentes wird.“

Susanne Hörr
Kluge Köpfe 2012