Die Welt von morgen ausdrucken

„3YOURMIND“ holt Entwürfe aus Architektur und Maschinenbau in die dritte Dimension. Das Start-up hat sich auf 3D-Druck spezialisiert

Tobias Wunner, Aleksander Ciszek, Stephan Kühr (v.l.) Foto: 3YOURMIND GmbH

Fünf Jahre hat Kaiser Wilhelm II. gebraucht, um das Gebäude fertigzustellen, in dem sich heute das Bundeswirtschaftsministerium befindet. Stephan Kühr schafft das in gerade mal zehn Stunden. Er druckt es sich einfach aus – heute mal in rosa. Die Nadel des 3D-Druckers saust hin und her und spritzt den Grundriss des Gebäudes auf die Unterlage: Nur 0,1 Millimeter ist diese erste Schicht dick. „Das hier ist nur ein kleiner Drucker für Präsentationszwecke“, erläutert Kühr, „die richtigen sind so groß wie zehn Kühlschränke.“ Vor etwa eineinhalb Jahren hat der Wirtschaftsphysiker gemeinsam mit Aleksander Ciszek (Financial and Accounting) und Tobias Wunner (Informatik) das Start-up „3YOURMIND“ gegründet. Ihre Geschäftsidee: 3D-Druck in den Bereichen Architektur, Maschinen- und Anlagenbau.

Stephan Kühr war zuvor aufgefallen, dass die Technologie sich in den letzten Jahren zwar rasant entwickelt hatte, aber längst nicht in dem Maße eingesetzt wurde, wie es ihr Potenzial vermuten ließ. Das wollte er ändern. Nach etwas privatem Herumgebastel mit einem 3D-Drucker hatte er eine Ahnung, woran das liegen konnte. Nach einigen Monaten an der Technischen Universität Berlin (TUB) war er sich dann sicher: „Das Problem liegt in der Aufbereitung der Daten. Architekt*innen und Maschinenbauer*innen designen zwar in 3D, aber man kann diese Daten nicht einfach an den Drucker schicken“, sagt der Gründer.

Jede Türklinke, jedes Detail simulieren die Architektinnen und Architekten in ihren CAD-Programmen (computer aided design). Für ein gedrucktes Modell sind das zu viele unnötige Informationen. Beim Maschinenbau wiederum will man oder frau vielleicht eine besonders wichtige Schraube der Turbine im 3D-Druck hervorheben, die nicht zu sehen wäre, wenn einfach alles eins zu eins übernommen würde: „Unsere Software vereinfacht und bereitet die Daten auf, die bereits vorhanden sind“, sagt Kühr und präzisiert, „wir haben ein Plug-In für CAD-Programme geschaffen. Hier sind wir sozusagen der 3D-Druck-Button.“

Seit 2012 hat Stephan Kühr keinen Urlaub mehr gemacht. Einen erschöpften Eindruck macht er trotzdem nicht. „Etwas, das wirklich antreibt, sind die Kunden mit ihren Wünschen und ihrem Feedback. Es ist das ehrlichste, das man bekommen kann: Wenn sie kaufen und sich nicht beschweren, sagt das viel aus.“ Vom Unternehmergeist, der durch das Gründerzentrum der TUB weht, ist er begeistert. Nicht nur die kompetente Beratung sei inspirierend, auch der Austausch mit den anderen Start-ups helfe sehr. In der City West fühlt sich das Team von „3YOURMIND“ wohl. Zur Messe ist es nicht weit – und zum Flughafen auch nicht. Obwohl sie noch bis März 2015 im Centre for Entrepreneurship bleiben werden, strecken sie ihre Fühler aber auch schon einmal aus: in Richtung USA

Susanne Hörr
Kluge Köpfe 2014