Die Zukunft ist smart

In den Telekom Innovation Laboratories, kurz T-Labs, wird geforscht, wie die Welt von morgen aussehen könnte. Das Stichwort heißt: Smart City

Joachim Schonowski © Andreas Lander

Am 2. August war es soweit. Da hatte die Menschheit alles aufgebraucht, das Konto war leer, früher als von vielen Fachleuten erwartet. In nur sieben Monaten hatte der Mensch also alles verfressen, verschmutzt und gerodet, was ihm an natürlichen Ressourcen für das Jahr 2017 zur Verfügung stand. Seit Anfang August lebt die Menschheit auf Pump. Fachleute nennen dieses Datum: Erdüberlastungstag. Der Mensch verbraucht mehr von der Erde, als diese ihm geben kann. Man muss kein Genie sein, um schnell zu merken, dass diese Rechnung auf Dauer nicht aufgeht. Wer sein Konto dauerhaft überzieht, bekommt irgendwann ein Pfändungsschreiben. In der Sache Mensch vs. Erde heißt das: Klimawandel, Dürreperioden, Überschwemmungen, Landflucht, dramatischer Ressourcenschwund.

Joachim Schonowski sitzt im obersten Stockwerk des ehemaligen Telefunken-Hochhauses am Ernst-Reuter-Platz. Der Blick aus dem Fenster zeigt hinunter auf die Bismarckstraße und wie sie kerzengerade aus der Stadt hinausführt. Wo früher Geschäfte gemacht wurden, wird heute geforscht. Ein Teil der Räume der ehemaligen Firmenzentrale wird von der Technischen Universität Berlin (TU) und dem An-Institut Telekom Innovation Laboratories (T-Labs) genutzt. Joachim Schonowski beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit dem Thema Smart City. Übersetzt heißt das in etwa: mit der schlauen Stadt. Dabei geht es um die Entwicklung gesamtheitlicher Konzepte, durch die vor allem Städte effizienter, technologisch fortschrittlicher, sozial inklusiver und vor allem umweltfreundlicher gestaltet werden. Es geht dabei um die Menschen, die Gesellschaft, die Wirtschaft. Schön und gut, findet Joachim Schonowski und mahnt: „Man muss das Konzept ganzheitlich denken, tatsächlich nachhaltig denken. Das bedeutet, man muss die Natur in das Konzept der Smart City miteinbeziehen.“ Dieser Gedanke kommt ihm bei vielen Ansätzen bislang zu kurz.

Nun ist das aber mit der Natur und deren Schutz so eine Sache. Man redet zwar gerne darüber. Doch in der Praxis ist Umweltschutz oft mit hohem Aufwand verbunden – und oft mit noch höheren Kosten. „Da zeigt es sich, wie ernst es uns mit dem Thema Nachhaltigkeit ist“, sagt Schonowski. Für ihn ist das Thema Smart City nicht einfach nur auf einzelne Städte reduziert. Es gehe vielmehr um sinnvolle Vernetzung – und zwar global.

In den T-Labs am Ernst-Reuter-Platz wird geforscht und entwickelt. Manche Fragen, mit denen sich die Forscher*innen beschäftigen, „gehen weit nach vorne“, sagt Schonowski. Das bedeutet, es geht nicht einfach nur um Forschung, sondern um die Fragen und Themen, die heute und in Zukunft relevant sein könnten. Manche Themen verschwinden wieder in der Versenkung. Andere werden Realität. „Die Smart City beispielsweise ist das Zukunftsthema schlechthin“, sagt Schonowski.

Wie die vernetzte, umweltfreundliche und ressourcensparende Stadt der Zukunft aussehen könnte, wird seit Dezember vergangenen Jahres in Hamburg erprobt. Die Stadt erhielt, gemeinsam mit den Städten Nantes und Helsinki, den Zuschlag für das EU-Leuchtturmprojekt „mySMARTLife“. In den kommenden fünf Jahren sollen Maßnahmen realisiert werden, die „die Transformation zur Smart City“ einleiten sollen. Konkret heißt das: stärkerer Einsatz von erneuerbaren Energien, klimaneutrales Wohnen, umweltschonende Mobilität, intermodales Fahren, Smart Grid Control, effizientere Nutzung von Daten und Messbarkeit durch Indikatoren. Seitens der Telekom wird das Projekt von den Forscher*innen der T-Labs geleitet. Ambitionierte Projekte gibt es auch in anderen Ländern. So will die Stadt Stockholm zum Beispiel bis zum Jahr 2020 CO2-neutral sein.

Wer weiß, vielleicht ist es im kommenden Jahr nicht der 2. August. Sondern erst der 2. September. Und vielleicht ist das Konto eines Tages sogar wieder gedeckt.

Kluge Köpfe 2017