Eine Schwäche für Schwachstellen

Hackerangriff, Daten verschwunden, fremdes Gerät im Netzwerk? Die Mikado AG berät in Sachen IT-Sicherheit

Reimund Reiter und Wolfgang Dürr Foto. Maja Meschka

Reimund Reiter und Wolfgang Dürr denken angestrengt nach, guk-ken sich an und schweigen dann doch. Auf die Frage, welche Hacker-Angriffe oder IT-Pannen sie in ihren 30 Unternehmer-Jahren mit der Mikado AG erlebt hätten, können sie nicht antworten. Gesehen haben sie einiges, aber im Bereich IT-Sicherheit wollen viele nicht, dass das publik wird. Und so berichten sie nur von einem Administrator, der nach seiner Kündigung einen Programmcode hinterlassen hatte, mit dem er von außen auf interne Daten zugreifen konnte.

Mikado bietet technische und organisatorische Sicherheitsberatung an: die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zertifizieren Computersysteme nach BSI- und ISO-Norm (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik; International Organisation for Standardization), setzen Sicherheitskonzepte um oder machen Penetrationstests. Das heißt: sie simulieren einen Hacker-Angriff, um dann beim Stopfen der Sicherheitslöcher zu helfen. Zu den Kunden zählen neben der Industrie auch viele Bundes- und Landesbehörden wie auch Bezirksämter. Das bringt der Standort Berlin mit sich. „Das Thema Sicherheit ist eines, das von den Großen besetzt ist“, sagt Reiter, „Im Mittelstand ist es noch nicht so präsent. Das wollen wir ändern.“

Auf ihrer Internetseite sportelt es deshalb auch seit Kurzem: Es wird gekrault, gekraxelt und gegolft. Man will den KMU damit demonstrieren, dass „Security Fitness schlank realisiert“ werden kann. Budget-schonend und trotzdem effizient. „Nicht alle Daten eines Unternehmens müssen verschlüsselt werden. Unsere Consultants schweben aber nicht abgehoben in die Firmen rein“, erzählt Wolfgang Dürr: „Wir wissen schon, wovon wir sprechen, wenn wir über Sicherheit in Netzwerken reden.“ Wo bei Mikado Consultant drauf steht, stecken in Wirklichkeit ein Techniker oder eine Technikerin drin – jemand vom Fach, vertraut mit der Materie und auf Augenhöhe mit dem IT-Personal des Kunden.

Angefangen hatte alles in Zeiten von Mikrocomputern und Lochkarten, als langsam die ersten Personal Computer aufkamen. Der Name Mikado, ein Akronym, erzählt noch von dieser Zeit. Er steht für „Mikrocomputer-Anwendungen in Datenverarbeitung und Organisation“. „Unser ursprüngliches Ziel war es, PCs für den Mittelstand nutzbar zu machen und darauf betriebswirtschaftliche Software zu implementieren“, sagt Reimund Reiter. Dann kamen die ersten Großaufträge von der AOK und Schering. Die Aufgabe war es, Großrechner durch ein vernetztes System von PCs auszutauschen. Bis Mitte der 90er Jahre sollte es noch dauern, bis Sicherheit zum Hauptthema von Mikado wurde – als die ersten Viren auftraten und die Kunden um Hilfe baten. „1998 sind wir dann hierher in den Gewerbehof Bülowbogen gezogen“, sagt Reiter und Kompagnon Dürr ergänzt: „Wir waren die ersten Mieter.“

Er erzählt von der Vergangenheit der Backsteinbauten als Druckerei, die ihren Schwerpunkt auf kyrillischen Buchstaben hatte. Auch die Zukunft von Mikado sehen die beiden unter anderem im Osten. Polen sei ein Zukunftsmarkt und liege „direkt vor der Haustür.“ Reiter sagt: „Dort hat der Pioniergeist Einzug gehalten. Es ist wie immer: Erst wächst die Wirtschaft wie verrückt – und dann denkt man an die Sicherheit. Und da denken wir dann mit.“

Susanne Hörr
Kluge Köpfe 2014