Eintauchen und Staunen

Sie sind so etwas wie moderne Geschichten-Erzähler: Charlotte und Marc Tamschick. Mit audiovisuellen Medien erwecken sie Räume zum Leben

Tamschick Media+Space

Um Menschen in Staunen zu versetzen, brauchte es früher oft nur einen guten Erzähler oder eine gute Erzählerin und ein bisschen Phantasie. Heute ist das schon schwieriger. Sowohl das mit dem Erzählen, als auch das mit dem Staunen. Heutzutage braucht es oftmals riesige Leinwände und Bildschirme. Musik, Geräusche und Lautsprecher. Filme, Animationen und Projektoren. Charlotte und Marc Tamschick beherrschen nicht nur die hohe Kunst des Erzählens. Sie schaffen es auch, Menschen in Staunen zu versetzen – und das immer wieder. Mit ihrer Firma Tamschick Media + Space sind die beiden seit vielen Jahren international erfolgreich und wurden bereits mit dutzenden Design-Preisen ausgezeichnet. Der Fachbegriff für ihre Arbeit klingt dabei zunächst etwas kryptisch: mediale Szenografie. „Das bedeutet, dass wir Räume mit Hilfe audiovisueller Medien emotional inszenieren und zum Sprechen bringen“, erklärt Charlotte Tamschick. So wie zum Beispiel im BMW Museum in München, im Bach-Haus in Eisenach, auf der Weltausstellung in Shanghai, in 3500 Metern Höhe auf dem Jungfraujoch in der Schweiz oder im Rheinischen Landesmuseum in Trier.

Dort gibt es auf rund 500 Quadratmetern Ausstellungsfläche 50 monumentale Grabmale aus der Römerzeit. Für Fachleute sind die Grabmale eine archäologische Sensation. Doch wie schafft man es, dass sie auch für den normalen Museumsbesucher, die normale Museumsbesucherin spannend sind? Es gelingt zum Beispiel mit einer guten Geschichte. Genau das haben Charlotte und Marc Tamschick zusammen mit ihrem 20-köpfigen Team gemacht. Gemeinsam mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Museums haben sie eine fiktive Geschichte erfunden und so die losen Grabsteine miteinander in Verbindung gebracht. In 45 Minuten erzählt „Im Reich der Schatten“ nun die Geschichte des Trierer Kaufmanns Gaius Albinius Asper, wie er zusammen mit dem Göttersohn Merkur in die Unterwelt hinabsteigt, um seine verstorbene Frau zu suchen. „Es ist ein mediales Raumtheater, das die stummen Objekte selbst zum Sprechen bringt. Eine Mischung aus Hörspiel, Film und Animation“, sagt Charlotte Tamschick, Kreativdirektorin und die Leiterin der Konzept-abteilung des Unternehmens.

„Manche Auftraggeber haben genaue Vorstellungen, was sie wollen“, erklärt sie. Andere KundInnen würden dagegen nur ein Stichwort oder einen Slogan vorgeben. Oder gar nichts. „Dann heißt es, macht einfach mal“, sagt die 44-jährige Szenografin, die an der Technischen Universität im weiterbildenden Masterstudiengang Szenischer Raum lehrt. Andererseits bedeute das aber auch größtmögliche künstlerische Freiheit. „Das funktioniert nur deshalb, weil die Kunden uns vertrauen“, sagt Geschäftsführer Marc Tamschick. Diese wüssten, dass ihr Projekt ganz individuell umgesetzt wird und nicht einem bestimmten, festgefahrenen Stil folgt. So unterschiedlich die Projekte und AuftraggeberInnen sind, eines bleibt dann aber doch immer gleich, sagt der 43-Jährige: „Das Ziel Emotionen zu wecken.“ Damit das gelingt, wird auch schon einmal die eigens komponierte Musik mit einem 70 Mann starken Orchester aufgenommen. Wie beispielsweise für die Inszenierung des saudi-arabischen Pavillons auf der Weltausstellung.

Seit einem Jahr hat das Unternehmen nun seinen Sitz im Gewerbehof Bülowbogen. „Ein echter Traumstandort“, sagt Marc Tamschick. Der alte Industriebau biete genügend Platz und Ruhe. Man könne hier gut und konzentriert arbeiten.

Stefanie Paul
Kluge Köpfe 2013