Europäer in Berlin

Das Akronym ESCP Europe steht für École supérieure de commerce de Paris. Die europäische Business School bildet die Führungskräfte von morgen aus. Klar, dass da ein Standort in Berlin nicht fehlen darf

Prof. Dr. René Mauer © Yvonne Ploenes

Es gibt keine Sicherheit, sagt der russische Erzähler Anton Tschechow. Es gibt nur verschiedene Grade der Unsicherheit. Das Blöde: Unsicherheit hat zwangsläufig auch immer mit Unwissenheit zu tun. Nicht alles zu wissen, nicht alles wissen zu können, das macht den Menschen aber zuweilen ganz schön kirre. Der Mensch mag es gerne berechenbar. Vor allem dann, wenn er im Kontext der Unsicherheit ein Unternehmen gründen soll. Gründer*innen müssen sich ständig fragen: Ist diese oder jene Entscheidung die richtige? Ist es gut, diesen oder jenen Investor ins Boot zu holen? Oder sollte man doch lieber alles anders machen?

René Mauer hat sich viele Jahre lang mit dieser Unsicherheit beschäftigt und damit, wie Unternehmen in dieser Situation Entscheidungen treffen. Zu diesem Thema hat er auch an der RWTH Aachen promoviert,  zudem war er dort am Aufbau eines Gründerzentrums beteiligt. „Es gibt zwei Typen von Start-ups. Die einen glauben fest daran, dass alle Prozesse und Entwicklungen, wie sie im Businessplan beschrieben sind, auch in Erfüllung gehen. Die anderen sehen den Businessplan dagegen eher als Baustein in einem Entwicklungsprozess“, sagt Mauer. Für sie ist der Businessplan mehr so eine Art Fixstern, um im Meer der Unsicherheit zu navigieren.

Seit 2015 ist der Rheinländer nun Professor für Entrepreneurship und Innovation an der Europe Business School. Sechs Standorte hat die Hochschule in Europa, darunter in Paris, London und Madrid – und in Berlin. In Charlottenburg hat die private Business School die Räume des ehemaligen Kaiserin-Auguste-Viktoria-Säuglingsheims am Heubernweg hinter dem Schlosspark Charlottenburg, bezogen. Rund 5 000 Studierende sind an der ESCP Europe in Bachelor- und Masterprogramme eingeschrieben. Weitere 5 000 Teilnehmer*innen durchlaufen Studiengänge und Weiterbildungsprogramme für Berufstätige. Unterrichtet werden sie von 150 Professor*innen aus 20 Nationen. Der Hauptsitz der ESCP Europe ist nach wie vor Paris, aber der Campus in Berlin ist als eigene anerkannte Hochschule beim Senat eingetragen. „Wir sind eine europäische Hochschule mit internationalem Fokus. Ich glaube, das trifft es am besten“, erklärt der gebürtige Neusser, den gerade dieser Ansatz fasziniert hat. Während des Studiums durchlaufen die Studierenden mindestens zwei, oft auch drei Standorte. Dabei spiegelt sich die Internationalität deutlich wider: In dem von Mauer geleiteten Studiengang „Executive Master in Digital Innovation and Entrepreneurial Leadership“ gibt es beispielsweise „einen Musikmanager aus Norwegen, einen Familienunternehmer aus Usbekistan, eine Juristin aus Frankreich, einen Firmengründer aus Deutschland“.

Man kann vielleicht nicht alles wissen, aber man kann sich bemühen, immer noch etwas dazuzulernen.

Stefanie Paul
Kluge Köpfe 2018