Heute schon fern gesurft?

Das Unternehmen Tvib hat einen Weg gefunden, zwei Welten miteinander zu verbinden: Es macht die klassische Fernsehwerbung für das Internet gewinnbringend nutzbar

F. Böhmak, Th. Grandoch, J. Schumann, M. Holtbecker (v.l.) Foto: Philipp Reisberg

Werbung gehört zum Produkt wie der elektrische Strom zur Glühbirne. Das sagte einmal der deutsche Werbefachmann Charles Paul Wilp. Doch was passiert, wenn die Glühbirne zwar Strom hat, aber keinen Lichtschalter um sie an- und auszuschalten? Diese Frage beschäftigt auch Thomas Grandoch (30), Marc Holtbecker (30) und Jens Schumann (28). Ihre Glühbirne ist jedoch das Internet und der Strom dazu ist die klassische Fernsehwerbung. Das Trio fragte sich, wie kann man diese beiden, vermeintlich nach wie vor streng voneinander getrennten, Welten zusammenbringen? Oder einfacher gesagt: Wie bekommt man die Leute dazu, im Internet den Schuh zu kaufen, den sie gerade erst in einem TV-Spot gesehen haben. Man braucht einen Schalter – und genauso einen haben sie mit ihrer Firma Tvib (gesprochen Twib) gefunden. Das Ganze nennt sich TV Alerts. Dahinter steckt eine einfache, aber technisch schwierig umzusetzende Idee: Mit Hilfe einer Art Alarm sollen Werbetreibende ihre Internetseiten Punkt genau anpassen können. Ein Schuh, der gerade noch im TV-Spot zu sehen war, wird wenige Sekunden später schon auf der Website beworben – und zwar an vorderster Stelle.

„Das Fernsehen ist wie eine Black Box“, erklärt Thomas Grandoch, der an der Universität der Künste Berlin (UdK) Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation studiert hat. Es wird zwar viel Geld in TV-Werbung investiert, aber keiner der Werbetreibenden weiß ganz genau, wann sein Werbespot läuft und welche Wirkung er hat. Im Internet können die Unternehmen dagegen jede Kennzahl wie Seitenaufrufe und Klickzahlen detailliert  abrufen. Untersuchungen haben dabei ergeben, dass sich diese nach der Ausstrahlung eines bestimmten Werbespots deutlich erhöhen. Zum Teil vervierfachen. An diesem Punkt setzt das Ende 2012 gegründete Unternehmen an. Anfang dieses Jahres konnten Tvib die dafür marktreife Technologie präsentieren. „Die Technik war ein echtes Problem. Denn es erfordert einen extrem anspruchsvollen Algorithmus“, erklärt Thomas Grandoch.

Rund um die Uhr sind dafür die sogenannten „Watcherholics“ im Einsatz. So nennen die drei Firmengründer liebevoll ihre Hochleistungsserver. Derzeit stehen sie im Keller der UdK am Einsteinufer, wo das junge Unternehmen auch seine Büros hat. Die Server scannen das Fernsehprogramm, 24 Stunden, 365 Tage im Jahr. Sobald ein bestimmter Werbespot läuft, senden die Server ein Signal aus – den sogenannten TV-Alert. Durch ihn können Werbetreibende innerhalb weniger Sekunden ihre Internetseiten aktualisieren, Rabattaktionen starten und Banner- oder Suchmaschinenwerbung freischalten. „Dafür bekommt jeder Werbespot eine Art Fingerabdruck“, erklärt der Unternehmer. Ca. 30 Free-TV- und Pay-TV-Sender werden derzeit auf diese Weise gescannt. Und die Glühbirne leuchtet.

Stefanie Paul
Kluge Köpfe 2014