Im Feenland

Christian Bräuer und Georg Kloster sind die Chefs der Yorck Kinogruppe. Sie sind mittlerweile Berlins größter Kinobetreiber. Nun eröffnen sie zwischen Hardenbergstraße und Kurfürstendamm ein neues Kino

Christian Bräuer und Georg Kloster (re.) © Yorck Kinogruppe/Oliver Walterscheid

Berlin, das war mal ganz großes Kino. Und der Kurfürstendamm, das war Hollywood, nur besser. Es gab dort keine Kinos. Es gab nur Paläste – mit echtem Marmor und elegant geschwungenen Freitreppen. „Optische Feenlokale“ nannte sie Siegfried Kracauer einmal. Der legendärste dieser Paläste war wohl das Gloria. Der erste Tonfilm der Welt wurde dort gezeigt und genauso die Uraufführung von „Der blaue Engel“. Der Film machte „die Dietrich“ quasi über Nacht zum Star. Lange ist’s her.

Die Filme liefen weiter. Nur eben leider immer seltener am Ku’damm. Die einstigen Feenlokale wurden in sehr weltliche Klamottenläden und Parkplätze umgewandelt und es brach die Zeit der Multiplex-Kinos an. Der Ku’damm war jetzt noch vieles. Aber eben nicht mehr großes Kino. Das soll sich nun wieder ändern. Anfang September eröffnete entlang des Yva-Bogens das delphi LUX. Hinter dem klangvollen Namen verbergen sich sieben Kinosäle, jeweils individuell gestaltet und mit modernster Technik ausgestattet. Zu sehen gibt es keine Blockbuster. Dafür Filmkunst.

Ortstermin im Büro der Yorck Kinogruppe an der Rankestraße in Charlottenburg. Georg Kloster und Christian Bräuer sind die beiden Chefs von Yorck. Was vor über 35 Jahren mit der Rettung des gleichnamigen Kinos in Kreuzberg begann, hat sich im Laufe der Zeit zu Berlins größtem Kinobetreiber entwickelt. „Seit zehn Jahren sind wir kontinuierlich gewachsen“, sagt Christian Bräuer, 45, weißes Hemd, dunkelblauer Anzug. Zahlreiche Häuser hat die Yorck-Kino GmbH vor der Schließung gerettet: das Kino International zum Beispiel oder das frühere Kino Silvia, das heute Odeon heißt und ausschließlich englische Originalversionen zeigt. Es sind markante Häuser mit einem besonderen Image und besonderen Filmen. Das zeichnet Yorck aus.

Dabei war es nie ihr Anspruch, die Größten sein zu wollen. Die Besten? Das vielleicht. Die Mutigsten? Ja, auf jeden Fall. Während sich Christian Bräuer um das Finanzielle kümmert, macht Georg Kloster die Programmplanung. Das werde angesichts der schieren Filmflut immer schwieriger. Noch nie sei es so einfach gewesen, Filme ins Kino zu bringen. „Georg zeichnet aus, dass er jenen Mut hat, der anderen oft abgeht“, sagt Bräuer. Er setzte auf Filme wie „Victoria“, „Oh Boy“ oder „Toni Erdmann“, lange bevor diese populär, mit Preisen überhäuft und finanziell erfolgreich wurden. Nicht umsonst sei Kloster zu Europas bestem Kinomacher gewählt worden, sagt Bräuer. Kloster, 61, Vollbart, kariertes Holzfällerhemd, winkt ein bisschen verlegen ab: „Ja, aber das ist ja schon zwölf Jahre her.“

Am Mut scheint sich seit damals aber nichts geändert zu haben. Das beweisen die beiden Kinomacher mit der Wahl ihres neuen Standorts am Yva-Bogen. Die Lage und die Infrastruktur seien ein Traum. „Gleichzeitig ist der Standort aber auch eine große Herausforderung“, sagt Kloster. Der Hardenbergplatz sei nach wie vor eine der Problemzonen der Stadt. Aber es ist eben wie so oft im Leben: Einer muss mutig vorangehen. „Und die Charlottenburger sind ein dankbares und sehr filmliebendes Publikum“, fügt Kloster hinzu. Und Feen standen der Gegend rund um den Ku’damm eben schon immer am besten.

Stefanie Paul
Kluge Köpfe 2017