Konglomerat des Wissens

Seit sechs Jahren steht an der Bismarckstraße das Charlottenburger Innovationszentrum (CHIC). Die Einrichtung soll jungen Start-ups bei der Unternehmensentwicklung helfen. Eine Erfolgsgeschichte

Lars Hansen © WISTA-MANAGEMENT GMBH

Wir müssen mal reden. Das ist meist der Auftakt zu einem Beziehungsgespräch – der eher unangenehmen Art. Denn es endet oft damit, dass wenigstens einer der beiden Gesprächspartner es für eine gute Idee hält, die Beziehung zu beenden. Auch Lars Hansen führt solche Gespräche und auch bei ihm geht es um das Ende einer Beziehung.

Lars Hansen ist der Leiter des Charlottenburger Innovationszentrums, kurz CHIC. Hervorgegangen ist es im Jahr 2011 aus dem Projekt „Nachhaltige Vitalisierung des kreativen Quartiers auf und um den Campus Charlottenburg“. Die Idee dahinter: Durch das neue Haus sollten Ausgründungen der Technischen Universität (TU) und der Universität der Künste (UdK) unterstützt werden.

Maximal acht Jahre können die Unternehmen im CHIC verbleiben und sich in Ruhe entwickeln, von der bereitgestellten Infrastruktur und insbesondere von den niedrigen Mieten profitieren. Doch nach acht Jahren muss Schluss sein. „Wir versuchen, die Unternehmen aber so sanft wie möglich rauszuschubsen“, sagt Hansen. Das passiert, indem nach sechs Jahren das erste Mal über das Ende der Beziehung gesprochen wird. Bei den Unternehmen der ersten Stunde ist es mittlerweile soweit: Wir müssen mal reden.

Das Alles hat seinen guten Grund, denn das CHIC ist explizit für kleine Start-ups gedacht. Die Spanne reicht derzeit vom Ein-Mann-Unternehmen bis hin zu 25-köpfigen Teams. Manche bleiben die kompletten acht Jahre im CHIC. „Andere wachsen dagegen so schnell, dass sie schon nach einem Jahr wieder ausziehen müssen, weil der Platz nicht mehr reicht“, verrät Hansen und rattert ein paar Zahlen herunter. Auf 4.500 Quadratmeter kämen derzeit 65 Unternehmen mit etwa 300 Arbeitsplätzen. 90 Prozent der Unternehmen stammen aus der IT-Branche, mehr als die Hälfte seien Ausgründungen aus dem universitären Bereich. Ein „Konglomerat des Wissens“ nennt Hansen sein Haus.

Das Wichtigste aber: Die Belegung des Hauses liegt bei 95 Prozent. „Wir platzen bald aus allen Nähten“, sagt Hansen. Da bleibe kaum Spielraum, um flexibel auf den Raumbedarf der Unternehmen zu reagieren. Deshalb hofft Hansen, dass der Bezirk schnell über eine Erweiterung des Hauses nachdenkt oder über einen zusätzlichen Standort: „Denn das CHIC ist eine absolute Erfolgsstory.“

Auch wenn vieles auf den ersten Blick entspannt und lässig zu sein scheint, die meisten Mitarbeiter*innen in T-Shirt und Turnschuhen über die Gänge spazieren, herrsche im Haus doch eine hochprofessionelle Atmosphäre. „Die Leute arbeiten hier richtig hart“, sagt Hansen. Der ist nicht einfach nur Leiter des Hauses, sondern auch Kummerkasten und Mädchen für alles. Hansen kennt alle Geschäftsführenden. Er weiß, an was die Unternehmen arbeiten, welche Schwierigkeiten sie haben, welche Hürden sie überwinden müssen. Natürlich fiebere man mit den Unternehmen mit. Aber irgendwann ist der Wachstumssprung geschafft. Dann müssen sie mal reden.

Stefanie Paul
Kluge Köpfe 2017