Kronjuwelen im Irgendwo

Klassifizieren, verschlüsseln, schützen – das ist das Erfolgsrezept der M&H IT-Security GmbH. Mit seiner Software macht das Unternehmen sensible Daten sicher – und zwar weltweit

Hans-Peter Möschle, Bernhard Altmann, Ralf Ehren (v.l.) © Faceland

Für manche sind Wolken einfach nur wunderbar. Sie sind das Tor zu einer schönen, neuen Welt voller unbegrenzter Möglichkeiten. Für andere sind Wolken einfach nur der wahrgewordene Alptraum. Sie sind so etwas wie das Tor zur IT-Hölle. Während für viele Start-up-Unternehmen Cloud-Systeme geradezu lebensnotwendig sind, um am Markt bestehen zu können, bereiten sie den IT-Abteilungen schlaflose Nächte. „Für IT-Abteilungen sind Clouds der pure Graus. Denn die Daten befinden sich dadurch nicht mehr im Unternehmen“, sagt Hans-Peter Möschle, Hauptgesellschafter und Geschäftsführer der M&H Group. Kaum ein IT-System sei heutzutage noch in sich abgeschlossen. Dokumente, Verträge, technische Daten, Konstruktionspläne oder Forschungsarbeiten – zum Teil höchst vertraulich – schwirren im Irgendwo des Internets herum. Diese Dokumente und Daten gilt es zu schützen – einerseits vor einem Zugriff Außensteher, andererseits aber auch innerhalb der Betriebe. Zum Beispiel, wenn Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter aus dem Unternehmen ausscheiden, in eine andere Position wechseln oder wenn zeitlich befristete Projekte beendet sind.

„Dabei stellt sich natürlich die Frage, was ist überhaupt vertraulich oder geheim und welche Dokumente sind schützenswert“, erklärt Ralf Ehren, Geschäftsführer der M&H IT-Security GmbH. Denn es geht nicht um die Masse der Daten, sondern um die „Kronjuwelen“ wie es im Fachjargon heißt. Also besonders sensible Dokumente, die nur ganz bestimmten Benutzerinnen und Benutzern zur Verfügung stehen sollen. Um das gewährleisten zu können, müssen die Dokumente klassifiziert und ein Benutzerkreis definiert werden. Genau hierbei hilft die M&H IT-Security GmbH vor allem mittelständischen Unternehmen. Für ihre Arbeit wurden die IT-Spezialisten in diesem Jahr mit dem Innovationspreis der Initiative Mittelstand ausgezeichnet.

Mit einer Software werden Dokumente und Daten mit einem eindeutigen Identifikations-Code versehen und anschließend verschlüsselt. „Früher gab es den Stempel ‚vertraulich‘“, erklärt Hans-Peter Möschle. Diese Funktion übernimmt nun der Code. Nur wer die entsprechende Berechtigung hat, zum Beispiel durch ein Passwort oder eine Chipkarte, kann das Dokument öffnen, drucken oder ändern. Für jedes Öffnen ist eine Anfrage bei einem firmeninternen Server notwendig, so dass unberechtigte Versuche, das Dokument zu öffnen, erkannt und verhindert werden. Zukünftig soll die Bundesdruckerei in Berlin, mit der bereits eine langjährige Partnerschaft besteht, als zentrale Zertifizierungsstelle für diese Anfragen dienen. „Wir versuchen dabei, die Sicherheit für unsere Kunden so einfach wie möglich zu machen“, sagt Hans-Peter Möschle, der vor rund zehn Jahren begonnen hat, sich in Berlin zu engagieren. Für mich war das Potential von Berlin schon früh erkennbar. Die Stadt ist einfach ein unglaublicher Innovationsstandort“, sagt der gebürtige Badener.

Seit seiner Gründung im Jahr 1997 hat das Unternehmen seinen Standort an der Hardenbergstraße. „Wir haben uns gegen alle Trends gewehrt“, sagt Ralf Ehren. Das Unternehmen profitiert von der Nähe zur Technischen Universität Berlin (TU) und dem Fraunhofer Institut. „Der Kontakt zu Professoren und Studierenden ist uns nach wie vor sehr wichtig“, erklärt Ralf Ehren, der selbst an der TU studiert hat.
Und mittlerweile sind die Wolken auch nur noch halb so schlimm.

Stefanie Paul
Kluge Köpfe 2014