Ohne Worte

Musik ohne Instrumente und Gesang. Lupe, Taschenlampe oder Uhr als Helfer in der Gebärdensprache

Lernsoftware Kleine Helfer

Es gibt Musik, die braucht keine Instrumente und keinen Gesang. Es gibt Musik, die ist lautlos. Man kann sie nur sehen. Sie wird durch die Bewegung der Hände zum Leben erweckt. Die Finger tanzen auf und ab, die Hand zeichnet einen Kreis, die Arme schwingen hin und her. Wer singen möchte, braucht nicht unbedingt eine Stimme, findet Stefanie Trzecinski. Für sie ist Musik vor allem Emotion. Und diese könne man mit einer Gebärde genauso zum Ausdruck bringen wie mit Worten. Musik und Emotion, das möchte Stefanie Trzecinski vermitteln. Und sie möchte tauben und schwerhörigen Kindern den Zugang zur Musik ermöglichen. Mit Hilfe der Lernsoftware „Kleine Helfer“ wird das in Zukunft noch besser möglich sein. Kinder im Grundschulalter lernen nicht nur Lieder in Gebärdensprache zu singen, sie lernen Metaphern und deren Bedeutung kennen. „Die gesprochene Sprache ist voller Metaphern. In der Gebärdensprache gibt es diese aber nicht“, erklärt Trzecinski.

Sie sitzt auf einem Sofa, hat den Laptop auf den Knien – und lächelt. „Das ist einfach toll geworden“, sagt die Frau mit den kurzen dunklen Haaren. Sie meint damit die Lernsoftware die gerade auf dem Laptop läuft und die man mittlerweile gegen eine Schutzgebühr von 15 Euro kaufen kann. Entwickelt wurde die Lernsoftware von Studenten und Studentinnen der Humboldt Universität. Zusammen mit Genia Börner-Hoffmann hat Trzecinski im vergangenen Wintersemester das Seminar „Neue Medien“ am Institut für Rehabilitationswissenschaften unterrichtet.

Die „Kleinen Helfer“ sind zum Beispiel eine Lupe, eine Taschenlampe oder eine Uhr. Fünf gibt es davon, jedes Symbol steht für ein Spiel. Der Ausgangspunkt für jedes Spiel ist ein Kinderlied. So wie Rolf Zuckowskis Lied „Jahresuhr“. Sobald man das Lied anklickt, startet ein Musikvideo. Die Videos wurden vom Kinderkanal Ki.Ka zur Verfügung gestellt. In einem zusätzlichen kleinen Fenster wird der Text in Gebärdensprache mitgesungen. Anschließend kann man das Spiel starten. Dabei müssen die Kinder Fragen beantworten. So wie diese hier: Was fällt im Herbst von den Bäumen? Alle Fragen orientieren sich thematisch am Lied, jeweils drei Antworten stehen zur Auswahl. „Bei den Spielen war uns wichtig, dass sich Bilder, Schrift und Gebärden miteinander verbinden“, erklärt Trzecinski.

Realisiert wurde das Projekt von Brightside Games. Johannes Giering und Thomas Bedenk wurden im vergangen Jahr selbst als „Kluge Köpfe in der City West“ porträtiert. „So wurde ich auf die beiden aufmerksam“, erinnert sich Trzecinski. Wenn sie von der Zusammenarbeit mit den Spieleentwicklern erzählt, gerät sie ins Schwärmen: Super schnell seien die beiden, sehr klar in der Kommunikation und extrem professionell. Für Bedenk und Giering war das Projekt wiederum eine besondere Herausforderung. „Eine Lernsoftware zu entwickeln, war für uns etwas völlig neues“, sagt Johannes Giering. Trzecinski und Brightside Games sind sich einig: Fortsetzung folgt.

Stefanie Paul
Kluge Köpfe 2012