Raus aus dem Labor, rein in die Anlage

Das Start-up SOPAT hat ein neues Messsystem entwickelt. Was als Insellösung für die Forschung gedacht war, hält nun Einzug in die Industrie

Sondenmessung in der Parxis Foto: Sopat GmbH

2006 war Dr.-Ing. Sebastian Maaß auf dem absoluten Tiefpunkt: Er steckte fest mit seiner Dissertation. Auf der ACHEMA, der weltweit größten Chemietechnikmesse in Frankfurt, klapperte er einen Hersteller nach dem nächsten ab. 30 bis 40 Stände. Aber keiner hatte, was er für seine Messungen brauchte: ein System, das flüssige Partikel, Tropfen, im laufenden Prozess messen kann. Verfahrenstechniker Maaß erzählt: „Alle sagten dasselbe: ‚Zu aufwendig, zu teuer, funktioniert nicht.’“ Dieser Tiefpunkt war die Geburtsstunde von SOPAT.

SOPAT steht für „Smart Online Particle Analysis Technology“. Die Technologie ist für all jene interessant, die Partikel wie Tropfen, Blasen, Körner, Zellen und Kristalle schnell und zuverlässig analysieren wollen. Und das sind viele: Gerade ist Maaß von einem Geschäftsbesuch bei Europas größtem Eishersteller zurückgekommen. Aber auch Pharmafirmen oder Shell und BASF gehören zu den Kunden des Berliner Unternehmens.

Während die einen wissen müssen, wie groß die Fetttropfen in ihrem Eis sind, damit es schön cremig wird, wollen die anderen ihre Produkte möglichst dort messen, wo sie entstehen. „Wir bringen das Mikroskop aus dem Labor in die Prozessanlage“, beschreibt Sebastian Maaß das Vorgehen. Er will seinen Kunden die Präzision einer Laboranalyse in Echtzeit zur Verfügung stellen. Während er erzählt, streicht er mit der Hand über einen Unternehmensflyer von SOPAT. Er ist in Grün gehalten. Grün für „umweltfreundlich“. Denn das Start-up will ein System anbieten, das Ressourcen und Energie spart und die Produktion effizienter macht.

Noch während seiner Dissertation begann Maaß die Photo-Sonde mit intelligenter Bildanalyse zu entwickeln. Er fragte den technischen Informatiker und späteren Mitgründer Jürgen Rojahn, ob er sich um die Software kümmern könne und holte noch den Wirtschaftsingenieur Jörn Emmerich dazu. Innerhalb von drei Jahren ist der erste Prototyp entstanden, schnell kamen erste Anfragen aus der Industrie: „Erst da ist uns aufgegangen, dass unser System offenbar gar keine Insellösung für die Forschung war“, sagt Maaß, „es gab viel größeres Interesse.“

Inzwischen ist SOPAT auf 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angewachsen und seit diesem Jahr sogar offizieller Ausbildungsbetrieb. Anfangs kam die Geschäftspost an die gleiche Adresse, an der Maaß promoviert hat: Das Institut für Verfahrenstechnik der TU Berlin sitzt im gleichen Klinkerbau, in dem SOPAT gegründet wurde. Der Unternehmer fühlt sich wohl in der City West: „Das Stadtzentrum ist nah, die Mitarbeiter kommen gerne her und der Weg zu Kooperationspartnern ist nicht weit“, erzählt der Ingenieur, während er hinaus auf den Flur tritt.

Dort – direkt unter der „Deutschland – Land der Ideen“-Plakette – steht ein 40 kg schwerer, silberner Koffer, das Messsystem. Damit wird Sebastian Maaß nächste Woche nach Indien reisen. Denn ein nächster Schritt des Unternehmens ist die weitere Internationalisierung. Aber nicht nur die. Der 36-Jährige will auch die Gesundheitswirtschaft Berlins neu vermessen.

Susanne Hörr
Kluge Köpfe 2015