Städte erleben mit Geschichten im Ohr

»Das Innovative ist die Verbindung von Technik und Inhalten.« Lydia Horn, Gründerin von mobile melting GmbH

Foto: Volker Döring

Geistergeschichten in Prenzlauer Berg, Stadtführungen durch Berlins Mitte oder ein Krimi in Frankfurt – mit der App storytude kann man sie direkt vor Ort erleben. Das geht ganz einfach: Man lädt sich die gewünschte Tour aufs Smartphone und wird dann von den Charakteren der Geschichte an die Orte geführt.

Zur Orientierung dienen das GPS des Handys und eine digitale Stadtkarte. An den richtigen Stellen vibriert das Handy und das nächste Kapitel beginnt. So befindet sich die Nutzerin oder der Nutzer immer inmitten der Geschichte. „Die Idee dazu hatten meine beiden Mitgründer“, sagt Geschäftsführerin Lydia Horn. „Ich habe das Ganze erst gar nicht richtig verstanden bis sie eine Art Prototyp programmiert haben. Das war eine Geschichte rund um das Rote Rathaus und ich fand das total cool. Und wenn mir das schon gefällt als nicht technikaffine Person, dann ist das eine super Sache.“

Mit der Idee bewarben sich die drei um ein EXIST-Gründerstipendium. Mit Erfolg. 2009 wurde mobile melting gegründet, das verschiedene technische Lösungen für ortsbasierte Unterhaltung  und Information anbietet. Horn gab dafür ihren Marketingjob bei einer Fluggesellschaft auf: „Ich habe erst kurz überlegt, weil ich noch nicht so lange bei der Firma war und alles so schnell ging, aber eigentlich war ich schon sehr auf das Neue gerichtet, weil ich das so toll fand.“ Mit seinem Hauptprodukt storytude.com bietet mobile melting seit Mai für den wachsenden Markt der Smartphones Stadttouren und Hörspaziergänge an.  

Statistisch gesehen nutzt rund ein Viertel aller Handy-Besitzerinnen und Besitzer inzwischen ein Smartphone, das die Funktionen des Handys durch zusätzliche Computerprogramme ergänzt – die sogenannten Apps. Tendenz steigend. Klassische Reiseführer und Audioguides werden dadurch überflüssig. „Das Innovative ist die Verbindung von Technik und Inhalten“, erklärt Horn. „Dabei ist unser großer Vorteil, dass man das Handy immer dabei hat und die Apps zu jeder Tages- und Nachtzeit herunterladen kann. Was wir verbessern müssen, ist unsere Bekanntheit. Das ist unsere große Herausforderung, daran müssen wir arbeiten.“

Überzeugt hat mobile melting schon die Jury des degewo-Gründerpreises, der ihnen ein Jahr mietfreie Gewerberäume in der Uhlandstraße einbrachte. „Wir haben uns sehr darüber gefreut, vor allem über die zentrale Lage und dass man gut Partner und Kunden einladen kann, da die Adresse etwas hermacht“, erzählt Lydia Horn. In Zukunft will mobile melting vor allem mehr Touren anbieten. Denkbar ist aber auch, das Spielerische und Interaktive weiter auszubauen. Dann könnte die Spaziergängerin oder der Spaziergänger durch den eingeschlagenen Weg den Fortgang der Geschichte mitbestimmen.

Bettina Tacke
Kluge Köpfe 2011