Vernetzung der dritten Dimension

Mit dem Berliner 3D Innovation Center hat die Branche nun einen gemeinsamen Ort

HHI-Institutsleiter Dr. Hans-Joachim Grallert, Dr. Philipp Rösler, Dr. Ralf Schäfer (v.l.) © Jana Denzler Photography

Es ist das Jahr drei nach „Avatar“, als Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler auf einen roten Knopf drückt. Der Knopf sieht genauso aus wie jener, den Willy Brandt 45 Jahre zuvor betätigte und damit das Fernsehen farbig machte. Auch der Knopfdruck des Ministers zeigt Wirkung: aus 2D wird 3D – pünktlich zur Eröffnung des 3D Innovation Centers, zu dem das Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut (HHI) geladen hatte.

„Lange waren wir nur ein Netzwerk, jetzt haben wir auch einen Ort“, sagt Kathleen Schröter, Executive Managerin des 3D Innovation Centers, während sie auf eine Wand blickt, auf der die Plaketten der Kooperationspartner montiert sind. Akteure aus der Industrie sind darunter ebenso wie Forschungseinrichtungen, Hochschulen, Sender oder Telekommunikationsunternehmen: von Dolby, Loewe und Zeiss über die Technische Universität Berlin bis hin zur Deutschen Telekom und Sky. Früher haben sie sich isoliert voneinander mit 3D beschäftigt, nun haben sie sich sichtbar vernetzt, um die Branche gemeinsam voran zu bringen. In Deutschland ist das 3D Innovation Center das einzige seiner Art, aber auch im internationalen Kontext ist die Plattform etwas Besonderes.

Während der 3D-Markt in China boomt – die chinesische Regierung hatte sich das Thema sogar in ihren Fünfjahresplan geschrieben – ist die dritte Dimension in deutschen Wohnzimmern noch nicht so recht angekommen. „Die Kosten für 3D-Produktionen sind momentan noch zu hoch“, sagt Dr. Ralf Schäfer, Leiter des Steering Committees des 3D Innovation Centers und Abteilungsleiter Image Processing am HHI. Er ist überzeugt davon, dass der Durchbruch erst mit der Autostereoskopie kommen wird – dann also, wenn 3D-Fernsehgeräte marktreif sind, für die man keine Brille mehr braucht.

Zwei der Arbeitsgruppen der neuen Plattform beschäftigen sich deshalb mit den Themen Autostereoskopie und kosteneffiziente Stereo-Produktion. Andere engagieren sich in den Feldern „3D in Industrie und Medizin“, „3D-Archive“, „Qualität“ oder „Vermarktung“. „Wir haben ein mehrstufiges Partnerprogramm – Bronze, Silber, Gold oder Platin“, so Kathleen Schröter. „Damit können die Kooperanten ihr Engagement entsprechend ihrer Ziele festlegen – und wie viel sie jährlich zahlen wollen.“

Das Interesse der Partner ist ganz unterschiedlich: Während einige gemeinsam Forschungsprojekte durchführen möchten, sind vor allem kleinere Firmen auf Vernetzung mit den Großen der Branche bedacht. Wieder andere wollen ihre Entwicklungen testen, denn das Zentrum verfügt neben einer Präsentationsfläche mit Lounge auch über ein 3D-Live Studio, ein Kino mit Regieraum und ein 3D-Labor.

Der Ingenieur Schäfer beschäftigte sich schon in den 80er Jahren mit dem Thema 3D. Die langen Jahre der Forschung haben sich ausgezahlt: Gerade erst wurde ein Vorschlag des HHI für die Entwicklung eines Standards zur Videocodierung angenommen, der eine kosteneffiziente Übertragung von brillenlosem 3D-TV ermöglichen wird. Auf Europas größter Broadcast-Konferenz IBC wurde das HHI für seine Arbeiten mit dem Best Paper Award ausgezeichnet.

Die Popcornmaschine, die bei der Eröffnung noch provisorisch im 3D Innovation Center stand, gehört mittlerweile zum festen Inventar. Im Technikraum erledigen die Elektriker die letzten Handgriffe. Hier hat man nun die Arbeit aufgenommen, das erste Arbeitsgruppentreffen ist absolviert. „Neue Partnerinnen und Partner sind immer willkommen“, so Ralf Schäfer. „Ein paar freie Plätze gibt es auf der Wand ja noch. Zur Not machen wir die Plaketten einfach kleiner oder wir lassen alle Partner einfach über einen Bildschirm laufen. In 3D versteht sich.“

Susanne Hörr
Kluge Köpfe 2012