Wirf hoch das Ding!

Panorambilder auf eine einfache Art

Innenleben der Panoramawurfkamera Foto: Panono GmbH

Im Grunde ist das Video an allem schuld. Und die zwei Millionen Menschen, die es sich angesehen haben. Damals im Oktober 2011. Zwei Millionen Klicks in einer Woche. Das ist selbst für eine Video-Plattform wie YouTube nicht ganz alltäglich. Und dann kamen ja auch noch diese 2.000 Emails. In den allermeisten stand so in ungefähr dieser Satz: Wir wollen so ein Ding und zwar sofort. „Wir haben monatelang nichts anderes gemacht, als Emails beantwortet, zum Teil sogar in der jeweiligen Landessprache“, erinnert sich Jonas Pfeil. Die Antwort war immer die Gleiche, egal in welcher Sprache: Dieses Ding kann man nicht kaufen! Und überhaupt, „wir wollten ja auch gar keine Firma damit gründen“, sagt der 29-Jährige.  

Dieses Ding, das so viel Aufsehen erregt hat, ist die sogenannte Wurfkamera – momentan noch quietschgrün und so groß wie ein Handball. Wenn aber alles nach Plan läuft, dann wird die Kamera schon bald nur noch so groß wie eine Grapefruit sein, reisetauglich quasi. In welcher Größe auch immer, die Kamera ist eine Erfindung, die es so bisher wohl noch nicht gegeben hat. Denn sie kann 360-Grad-Panorama-Aufnahmen machen. Dazu muss man sie einfach nur in die Höhe werfen – und nicht einmal unbedingt wieder auffangen. „Man kann sie einfach auf den Boden fallen lassen“, sagt Jonas Pfeil. In der Handhabung sei die Kamera sehr simpel, das sei das Schöne daran.

Am höchsten Punkt wird die Kamera automatisch durch einen Beschleunigungsmesser ausgelöst. 36 kleine Kameras mit jeweils zwei Megapixeln schießen dann ein Rundum-Panorama: oben, unten, rechts, links – alles kein Problem. Alle 36 Kameras sind dabei miteinander verbunden und werden zentral gesteuert. Mit einem USB-Kabel können die Bilder später dann heruntergeladen werden. Das Einzigartige an den Fotos: Man kann Szenen, Menschen und Bewegungen auf einen Schlag aufnehmen und festhalten. Das war bislang so nicht möglich, denn oft hatte man das Problem mit den Überlappungen. Zudem musste man sich für ein Panoramafoto langsam im Kreis drehen und rund 50 Fotos schießen, damit das Panorama auch vollständig ist. In dieser Zeit durfte sich aber nichts verändern. Jetzt hat man mit einem Wurf alles im Blick.

Mittlerweile haben sie dann doch eine Firma gegründet: Jonas Pfeil, Björn Bollensdorff und Qian Qin. Am 4. Oktober war es soweit, nach einem Jahr Planung. Die drei Jung-Unternehmer kennen sich vom Studium, alle drei haben Technische Informatik an der TU Berlin studiert. Ein eigenes Unternehmen zu gründen, „das war für uns aber kein Lebenstraum, so wie das bei anderen oft ist“, sagt Jonas Pfeil nüchtern. Doch die Leiterin des Gründungsservice der TU, Agnes von Matuschka ließ nicht locker. Jetzt sitzen die drei in einem der kleinen Büros des Gründungsservices im Gebäude der Alten Mineralogie. Ein internationales Patent haben sie auf ihre Erfindung schon angemeldet, seit kurzem sind sie über das Exist-Gründerstipendium gefördert. Und überhaupt, inzwischen fühlen sich die Drei doch ganz wohl, so als Firmengründer.

Stefanie Paul
Kluge Köpfe 2012