Wohlfühlen im Westen

Das Nürnberger Unternehmen xit hat seit sechs Jahren eine Niederlassung im Berliner Westen

Die Gesellschafter von xit: Prof. Klaus Schellberg, Prof. Bernd Halfar, Stefan Löwenhaupt (v.l.) Foto: xit GmbH

Der Hackesche Markt sei ihnen zu konventionell gewesen, erinnert sich Stefan Löwenhaupt. Da habe es nur diese typischen, klassischen Büros gegeben. Anders dagegen im Westen der Stadt, mitten in Schöneberg, gleich hinter dem Gleisdreieck, im Gewerbehof Bülowbogen. Ein Glücksgriff sei das damals gewesen, schwärmt Löwenhaupt und fügt hinzu: „Wir fühlen uns an dem Standort sehr wohl.“ Wir, das ist die Berliner Dependance des Nürnberger Unternehmens xit GmbH. Vor  sechs Jahren eröffneten die Franken im Bülowbogen ihre Außenstelle. Damals startete in Brandenburg das von zwölf sozialen Trägern initiierte Förderprogramm „Haftvermeidung durch soziale Integration“. Ziel war es, Strafgefangene und Haftentlassene zu resozialisieren – durch Arbeit oder eine Berufsausbildung. Die Expert*innen von xit koordinierten das Projekt – und tun es auch heute, sechs Jahre später, noch. „Für so ein langfristiges Projekt war es einfach nötig, vor Ort zu sein“, erklärt der Geschäftsführer.

xit – das klingt beim ersten Hören ein bisschen nach Exit, nach Ende. Doch genau das Gegenteil ist die Intention. Es geht um Zukunftsfähigkeit und Innovation. Gegründet wurde das Unternehmen vor genau 30 Jahren. Damals taten sich sieben an der Universität Bamberg beschäftigte Volkswirte, Wirtschaftsingenieure und Soziologen zusammen und gründeten den Forschungsverein „Gesellschaft für sozialverträgliche Innovation und Technologie“. Kurz: GSIT. Oder auch: xit. In den Anfangsjahren wurden noch Konzepte für ökologische Stadtteilsanierungen, baubiologische Datenbanken oder Präventionskonzepte für Bundesligavereine wie den 1. FC Nürnberg entwickelt. „Heute gehört die klassische Unternehmensberatung in der Sozialwirtschaft zu unserem Markenkern“, erklärt Löwenhaupt. Denn an einem mangelt es der Sozialwirtschaft nicht: an Idealismus. Doch der allein reiche nicht aus, um eine Behinderteneinrichtung, ein Pflege- oder Altenheim erfolgreich zu führen. Dazu gehören auch Personalplanung, Prozesse, IT, Controlling oder Marketing. Genau bei diesen Themen leistet das Unternehmen bundesweit Hilfestellung, entwickelt Strategien und Konzepte. „Ziel ist immer, dass sich dabei die Qualität für die Menschen verbessert, die ein soziales Angebot wahrnehmen. Und wenn möglich: kostenneutral.“ Wenn man in einem Heim wohnt und sein Mittagessen zum Beispiel über ein Computersystem selbst bestellt, ist das vermeintlich effizienter. Aber nicht unbedingt besser. Vor allem dann nicht, wenn man das System gar nicht bedienen kann. „So eine Maßnahme wäre nicht qualitätsneutral. Wir müssen uns fragen, wem nutzt es, etwas so oder so zu machen“, erklärt der Fachmann.

Doch Löwenhaupt und seine Kolleg*innen beraten nicht nur. Sie machen „Wirkung messbar“. Mit Social-Return-on-Investment-Studien. „Es gibt das Vorurteil, dass jeder Euro, der in soziale Projekte geht, ein versenkter Euro ist“, sagt der Geschäftsführer. Mit seinen Studien beweist xit das Gegenteil.

Stefanie Paul
Kluge Köpfe 2015