Zeitreise im Quadrat: Schafe für Jung und Alt

»Inzwischen setzt die Spielebranche mehr Geld um als die Filmindustrie.« Thomas Bedenk and Johannes Giering, Brightside Games UG

Foto: Volker Döring

Thomas Bedenk und Johannes Giering lernten sich 2008 in einem Seminar an der Technischen Universität Berlin kennen. Das Programmieren von Computerspielen stand auf dem Lehrplan. Gemeinsam entwickelten sie „Zeit2“, ein Shooting-Spiel, das es erlaubt, virtuell die Zeit zurückzudrehen. Auf intelligente Art verbindet „Zeit2“ Elemente bewährter Spiele mit einer neuen Idee und neuen strategischen Möglichkeiten. Mit „Zeit2“ haben es Bedenk und Giering bis in die Finalrunden wichtiger internationaler Spiele-Wettbewerbe geschafft. Brightside Games, ihre 2009 gegründete Firma, sollte das Spiel marktfähig machen. Ideelle und finanzielle Unterstützung boten der Gündungsservice der TU Berlin, Exist-Stipendien des Bundeswirtschaftsministeriums sowie die Zusammenarbeit mit dem etablierten Münchner Unternehmen remote control productions. Anfang 2011 wurde „Zeit2“ für die Spielekonsole XBox 360 publiziert, ein enormer Erfolg für ein Erstlingswerk.

Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Unternehmensentwicklung sind gut, der Markt für Computerspiele wächst stetig. „Inzwischen setzt die Spielebranche mehr Geld um als die Filmindustrie“, erläutert Thomas Bedenk. Er und Giering setzen auf ein langsames Wachstum, sie wollen unabhängig bleiben und technisch anspruchsvolle Spiele mit Niveau entwickeln. Demnächst erscheint „Sheep Shack“, ein Spiel, das auf allen Geräten mit Touchscreen gespielt werden kann und Jung und Alt unterhalten soll. Bereits im Frühstadium der Produktentwicklung wird intensiv getestet, ob die Spiele die richtige Balance zwischen Schwierigkeit und Bewältigbarkeit haben. Bedenk hat dafür das nötige Hintergrundwissen. Nach seinem Diplom in Mediendesign belegte er den Studiengang Human Factors an der TU Berlin, eine Mischung aus Ingenieur-, Design- und Psychologiestudium. Für die technische Perfektion sorgt Giering als Informatiker und Programmierer.

Brightside Games residiert im Charlottenburger Innovations-Centrum (CHIC). Als CHIC-Mieter kommt das Unternehmen in den Genuss eines breiten Spektrums an Unterstützungs- und Serviceleistungen für Ausgründungen aus TU und UdK. Im ehemaligen Gerling-Gebäude auf dem Campus Charlottenburg erhalten Start-ups wie Brightside Games Wirtschaftsförderung in Form von Beratung, moderaten Mieten und zentralen Diensten.

Im April 2010 konnte das CHIC die ersten 1.500 Quadratmeter übergeben und ist inzwischen mit dreizehn Unternehmen ausgebucht. Die Sanierung des zweiten Gebäudeteils mit 4.500 Quadratmetern wird voraussichtlich 2013 beendet sein.

Die Nähe zur TU und ihren Studierenden ist den Spielemachern wichtig für den weiteren Ausbau ihrer Netzwerke. Doch auch aus einem anderen Grund wissen sie die kurzen Wege zu schätzen: Seit diesem Jahr sind sie es, die an der TU das Seminar „game programming“ leiten.

Dr. Michael Schäbitz
Kluge Köpfe 2011