„Zentrum am Zoo“ - Erweiterung der Bahnhofsmission Zoologischer Garten

Zentrum am Zoo

Zentrum am Zoo © Architekturbüro Die Brücke

Der Standort der Bahnhofsmission Zoologischer Garten wird erweitert. Der Verein für Berliner Stadtmission baut demnach zusätzliche Flächen in einer Größenordnung von ca. 500 m² aus. Das Konzept für das neue „Zentrum am Zoo“ sieht die Schaffung von Räumlichkeiten für Beratungsangebote und psychologische Begleitung wohnungs- und obdachloser Menschen vor. Ferner werden Räume für kulturelle und politische Bildung und Begegnung (Seminar- und Veranstaltungsräume) geschaffen. Hierfür kooperiert die Stadtmission mit der DB Station & Service AG, welche die Räumlichkeiten mietfrei für zunächst 25 Jahre zur Verfügung stellt.

Die Gesamtfinanzierung für den Ausbau über gut 2 Mio. € setzt sich aus Mitteln der DKLB-Stiftung, dem Städtebauförderprogramm Aktive Zentren und aus Eigenmitteln der Berliner Stadtmission zusammen. Aus dem Förderprogramm Aktive Zentren werden Mittel i.H.v. rund 816.000,- € bereitgestellt. Baubeginn ist am 18.10.2019. Bereits im Frühjahr 2020 soll das „Zentrum am Zoo“ im Bahnviadukt eröffnet werden.

Der künftige Eingang zum „Zentrum am Zoo“ der Berliner Stadtmission befindet auf der hinteren Hälfte des Hardenbergplatzes (Hardenbergplatz 13, 10623 Berlin).

Hintergrund

Die Zahl der Obdachlosen in Berlin ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Eine offizielle Zählung des Landes Berlin ist für Anfang 2020 geplant. In den Medien kursieren derweil Angaben zur Anzahl auf der Straße lebender Menschen zwischen 6.000 und 10.000. Auch rund um den Bahnhof Zoologischer Garten hat sich die Obdachlosenszene verändert: Nach Angaben des Vereins für Berliner Stadtmission nehmen Vielsprachigkeit und damit Verständigungsprobleme zu. Auch die Aggressivität untereinander und gegenüber der Polizei und Helfer*innen der Stadtmission und der Straßensozialarbeit sei stark gestiegen. Gleichermaßen mangelt es an Beratungs- und psychologischen Unterstützungsangeboten.

In der Bahnhofsmission auf der Rückseite des Bahnhofs Zoologischer Garten erhalten Obdachlose derzeit eine notwendige niederschwellige Versorgung. Täglich suchen etwa 600 Obdachlose die rund um die Uhr besetzte Bahnhofsmission auf, werden mit Essen, Kleidung, Schlafsäcken oder rudimentär medizinisch versorgt, können Seelsorge in Anspruch nehmen, Post entgegennehmen, durch mobile Einzelfallhelfer begleitet oder zu Beratungsstellen weitervermittelt werden. Zudem bietet das Ende 2015 eröffnete benachbarte Hygienecenter Obdachlosen die Möglichkeit, zur Toilette zu gehen, zu duschen, sich die Haare schneiden zu lassen oder eine Fußpflege in Anspruch zu nehmen.

Verbesserung der Arbeitsbedingungen

Von der Deutschen Bahn erhält die Berliner Stadtmission in direkter Nachbarschaft zur Bahnhofsmission und zum Hygienecenter zusätzliche 500 m² Fläche im Bahnviadukt für 25 Jahre miet- und betriebskostenfrei. Die aktuell genutzte Fläche wird sich somit nahezu verdoppeln. Durch die zusätzlichen Flächen werden sich auch die Arbeitsbedingungen für das Personal und der Schutz der Privatsphäre der obdachlosen Gäste erheblich verbessern, denn die Bahnhofsmission stößt angesichts der stetig wachsenden Anforderungen schon lange an Kapazitätsgrenzen. Auch Lagerkapazitäten für Sachspenden sollen vergrößert werden.

Beratungsangebote und psychologische Begleitung Wohnungsloser

In den neuen Räumen werden insbesondere neue Angebote geschaffen, die eine sinnvolle Ergänzung zur niederschwelligen Versorgung Obdachloser darstellen. Diese Angebote zielen darauf ab, Obdachlose nachhaltig in die Lage zu versetzen, das Leben auf der Straße hinter sich zu lassen. So werden etwa Beratungsangebote angesiedelt und die psychologische Begleitung Wohnungsloser verbessert. Neben der psychologischen Beratung Wohnungsloser sollen auch weiterführende Projekte und Angebote ermöglicht werden, wie z.B. ein von der DB gewünschter „Begleitservice für mobilitätseingeschränkte Reisende im DB-Regionalverkehr“ in Form eines Pilotprojekts. Dieses Angebot kann sich z.B. an ältere, blinde oder gehbehinderte Menschen, aber auch an Alleinerziehende mit Kindern richten.

Ort der kulturellen und politischen Bildung

Der „Bahnhof Zoo“ hat starke Symbolkraft weit über Berlin hinaus. Soziale Arbeit mit verschiedenen Gruppen von Menschen am Rand unserer Gesellschaft hat hier eine mehr als einhundertjährige Geschichte. Deshalb eignet sich dieser Ort wie nur wenige andere in Deutschland auch als ein außergewöhnlicher Lernort für kulturelle und politische Bildung. Die geplante „Lernwelt Armut und Obdachlosigkeit“ wäre einzigartig in Deutschland, vielleicht in ganz Europa, und daher u.a. auch ein Anziehungspunkt für Touristen. Bereits heute wird regelmäßig mit Schulklassen aller Altersgruppen im Rahmen von Projekt- und Wandertagen über Armut und Obdachlosigkeit diskutiert und informiert. Die derzeitige Arbeit mit Besuchergruppen soll ausgebaut und neue Angebote zur pädagogischen Qualifizierung geschaffen werden. Ein im Inneren des Gebäudekörpers befindlicher Raum (ohne Tageslicht) eignet sich für Veranstaltungen und Events der kulturellen und politischen Bildung mit bis zu 80 Personen, beispielsweise Ausstellungen, themenbezogene kulturelle Events (Theater, Musik, Lesungen, Poetry Slam, Diskussionen zu sozialen Brennpunktthemen), (inter-)religiöse Angebote oder Projekte für und mit Wohnungslosen (z.B. Kunstworkshops, Musikprojekte).