„Zentrum am Zoo“ - Erweiterung der Bahnhofsmission Zoologischer Garten

Zentrum am Zoo

Zentrum am Zoo © Architekturbüro Die Brücke

Von Ende 2019 bis Anfang 2021 baute der Verein für Berliner Stadtmission am Standort der Bahnhofsmission Zoologischer Garten zusätzliche Flächen in einer Größenordnung von ca. 500 m² aus. Das Konzept für das neue „Zentrum am Zoo“ beinhaltet die Schaffung von Räumlichkeiten für die so genannten „drei Bs“, darunter Beratungsangebote und psychologische Begleitung wohnungs- und obdachloser Menschen. Ferner werden Räume für kulturelle und politische Bildung und Begegnung (Seminar- und Veranstaltungsräume) geschaffen. Hierfür kooperiert die Stadtmission mit der DB Station & Service AG, welche die Räumlichkeiten mietfrei für zunächst 25 Jahre zur Verfügung stellt.

Die Gesamtfinanzierung für den Ausbau über ca. 2,5 Mio. € setzt sich aus Mitteln des Städtebauförderprogramms Aktive Zentren, der DKLB-Stiftung und aus Eigenmitteln der Berliner Stadtmission zusammen. Aus dem Förderprogramm Aktive Zentren werden Mittel i.H.v. 1.124.600 € bereitgestellt.

Der Eingang zum Zentrum am Zoo befindet auf der hinteren Hälfte des Hardenbergplatzes (Hardenbergplatz 13, 10623 Berlin). Dort befanden sich u.a. die vormals vom Polizeiabschnitt 31 genutzten Arrestzellen, auch bekannt aus dem Film „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“. Nun existieren hier Rückzugs-, Beratungs- und Veranstaltungsräume, in denen sich Menschen mit und ohne Armutshintergrund auf Augenhöhe begegnen können.

Der Innenausbau barg hinsichtlich Architektur und Statik viele Herausforderungen. Neben der Freilegung von Gewölben des Stadtbahnviaduktes mussten der Denkmalschutz gewahrt, elektrische Anlagen komplett erneuert, aufwändige Brandschutztechnik eingebaut, sanitäre Anlagen integriert und eine den neuen Angeboten angemessene Atmosphäre geschaffen werden. Dazu tragen u.a. auch die ehemaligen Zellengitter bei - sie finden Wiederverwendung als Lichtzerstreuer an der Decke.

Informationen zu den Angeboten im Zentrum am Zoo sind auf der Website der Stadtmission abrufbar: www.berliner-stadtmission.de/zentrum-am-zoo

Projektkoordinator Wolfgang Nebel mit Sebastian Scheel, Senator für Stadtentwicklung und Wohnen Berlin und Oliver Schruoffeneger, Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Bauen und Umwelt Charlottenburg-Wilmersdorf bei der Besichtigung des ehemaligen Zellentraktes vor dem Umbau:

Projektkoordinator Wolfgang Nebel mit Sebastian Scheel, Senator für Stadtentwicklung und Wohnen Berlin und Oliver Schruoffeneger, Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Bauen und Umwelt Charlottenburg-Wilmersdorf bei der Besichtigung des ehemaligen Zellentraktes vor dem Umbau

Foto: Planergemeinschaft für Stadt und Raum eG

Foyer nach dem Umbau:

Foyer nach dem Umbau

Foto: Planergemeinschaft für Stadt und Raum eG

Mehr Platz für kulturelle Veranstaltungen, Begegnungs- und Bildungsangebote sowie individuelle Beratung und Begleitung:

Foto: Planergemeinschaft für Stadt und Raum eG

Erste Foto-Ausstellung nach dem Umbau:

Foto: Berliner Stadtmission

Grafik: Verein für Berliner Stadtmission

Fertigstellung und Eröffnung des neuen Zentrums am Zoo der Berliner Stadtmission

Am 10.2.2021 wurde das neue Zentrum am Zoo feierlich eröffnet. Die Veranstaltung wurde live moderiert vor Ort, mit musikalischen Beiträgen untermalt und digital als Livestream übertragen. Hierzu wurden im Vorfeld verschiedene Clips von Grußbotschafter*innen produziert und eingespielt, u.a. von Michael Müller - Regierender Bürgermeister von Berlin, Dr. Richard Lutz - Vorstandsvorsitzender Deutsche Bahn AG, Elke Büdenbender - Schirmherrin Bereich Bildung im Zentrum am Zoo sowie Wenke Christoph - Staatssekretärin für Wohnen in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen Berlin.

 

Baubeginn im Zentrum am Zoo

Am 18. Oktober 2019 erfolgte der Baubeginn für das neue Zentrum am Zoo der Berliner Stadtmission. Nach einer intensiven zweijährigen Planungsphase läutete Katrin Lompscher, ehemalige Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen Berlin, gemeinsam mit Wolfgang Nebel, Projektkoordinator Zentrum am Zoo sowie weiteren Vertreter*innen der Berliner Stadtmission, der Deutschen Bahn und des beauftragten Architekturbüros Die Brücke mit einem symbolischen Hammerschlag die Bauphase ein. 

Die Berliner Stadtmission betreibt am Bahnhof Zoologischer Garten neben der Bahnhofsmission seit 2015 bereits ein Hygiene-Center, in dem sich die Gäste Duschen, Waschen und Haareschneiden lassen können. Die geplante Erweiterung durch das Zentrum am Zoo beinhaltet neben Beratungsangeboten für obdachlose Menschen auch die so genannte Lernwelt Armut und Obdachlosigkeit. Des Weiteren erhält das Zentrum am Zoo eine technische Ausstattung für die Durchführung kultureller Veranstaltungen und Andachten.

Hintergrund

Die Zahl der Obdachlosen in Berlin ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Eine offizielle Zählung des Landes Berlin ist für Anfang 2020 geplant. In den Medien kursieren derweil Angaben zur Anzahl auf der Straße lebender Menschen zwischen 6.000 und 10.000. Auch rund um den Bahnhof Zoologischer Garten hat sich die Obdachlosenszene verändert: Nach Angaben des Vereins für Berliner Stadtmission nehmen Vielsprachigkeit und damit Verständigungsprobleme zu. Auch die Aggressivität untereinander und gegenüber der Polizei und Helfer*innen der Stadtmission und der Straßensozialarbeit sei stark gestiegen. Gleichermaßen mangelt es an Beratungs- und psychologischen Unterstützungsangeboten.

In der Bahnhofsmission auf der Rückseite des Bahnhofs Zoologischer Garten erhalten Obdachlose derzeit eine notwendige niederschwellige Versorgung. Täglich suchen etwa 600 Obdachlose die rund um die Uhr besetzte Bahnhofsmission auf, werden mit Essen, Kleidung, Schlafsäcken oder rudimentär medizinisch versorgt, können Seelsorge in Anspruch nehmen, Post entgegennehmen, durch mobile Einzelfallhelfer begleitet oder zu Beratungsstellen weitervermittelt werden. Zudem bietet das Ende 2015 eröffnete benachbarte Hygienecenter Obdachlosen die Möglichkeit, zur Toilette zu gehen, zu duschen, sich die Haare schneiden zu lassen oder eine Fußpflege in Anspruch zu nehmen.

Verbesserung der Arbeitsbedingungen

Von der Deutschen Bahn erhält die Berliner Stadtmission in direkter Nachbarschaft zur Bahnhofsmission und zum Hygienecenter zusätzliche 500 m² Fläche im Bahnviadukt für 25 Jahre miet- und betriebskostenfrei. Die aktuell genutzte Fläche wird sich somit nahezu verdoppeln. Durch die zusätzlichen Flächen werden sich auch die Arbeitsbedingungen für das Personal und der Schutz der Privatsphäre der obdachlosen Gäste erheblich verbessern, denn die Bahnhofsmission stößt angesichts der stetig wachsenden Anforderungen schon lange an Kapazitätsgrenzen. Auch Lagerkapazitäten für Sachspenden sollen vergrößert werden.

Beratungsangebote und psychologische Begleitung Wohnungsloser

In den neuen Räumen werden insbesondere neue Angebote geschaffen, die eine sinnvolle Ergänzung zur niederschwelligen Versorgung Obdachloser darstellen. Diese Angebote zielen darauf ab, Obdachlose nachhaltig in die Lage zu versetzen, das Leben auf der Straße hinter sich zu lassen. So werden etwa Beratungsangebote angesiedelt und die psychologische Begleitung Wohnungsloser verbessert. Neben der psychologischen Beratung Wohnungsloser sollen auch weiterführende Projekte und Angebote ermöglicht werden, wie z.B. ein von der DB gewünschter „Begleitservice für mobilitätseingeschränkte Reisende im DB-Regionalverkehr“ in Form eines Pilotprojekts. Dieses Angebot kann sich z.B. an ältere, blinde oder gehbehinderte Menschen, aber auch an Alleinerziehende mit Kindern richten.

Ort der kulturellen und politischen Bildung

Der „Bahnhof Zoo“ hat starke Symbolkraft weit über Berlin hinaus. Soziale Arbeit mit verschiedenen Gruppen von Menschen am Rand unserer Gesellschaft hat hier eine mehr als einhundertjährige Geschichte. Deshalb eignet sich dieser Ort wie nur wenige andere in Deutschland auch als ein außergewöhnlicher Lernort für kulturelle und politische Bildung. Die geplante „Lernwelt Armut und Obdachlosigkeit“ wäre einzigartig in Deutschland, vielleicht in ganz Europa, und daher u.a. auch ein Anziehungspunkt für Touristen. Bereits heute wird regelmäßig mit Schulklassen aller Altersgruppen im Rahmen von Projekt- und Wandertagen über Armut und Obdachlosigkeit diskutiert und informiert. Die derzeitige Arbeit mit Besuchergruppen soll ausgebaut und neue Angebote zur pädagogischen Qualifizierung geschaffen werden. Ein im Inneren des Gebäudekörpers befindlicher Raum (ohne Tageslicht) eignet sich für Veranstaltungen und Events der kulturellen und politischen Bildung mit bis zu 80 Personen, beispielsweise Ausstellungen, themenbezogene kulturelle Events (Theater, Musik, Lesungen, Poetry Slam, Diskussionen zu sozialen Brennpunktthemen), (inter-)religiöse Angebote oder Projekte für und mit Wohnungslosen (z.B. Kunstworkshops, Musikprojekte).