Neugestaltung Olivaer Platz

Olivaer Platz

Olivaer Platz, Ausschnitt aus dem Konsensplan

Rückblick Planung

Die Ausstellung „Olivaer Platz – gestern, heute, morgen“ im Heimatmuseum Charlottenburg-Wilmersdorf war im Herbst 2010 der Auftakt zur Neugestaltung des Olivaer Platzes - ein in die Jahre gekommener Stadtplatz, der nach zeitgemäßem Maßstab, die Bedürfnisse heutiger Nutzungsansprüche nicht erfüllt. Es folgten vorbereitende Bürgerveranstaltungen, ein Realisierungswettbewerb, Vor-Ort-Termine, Besprechungen des Themas in verschiedenen Ausschüssen der Bezirksverordnetenversammlung (BVV), ein langer Prozess zur Aufstellung eines Bebauungsplans und ein Runder Tisch.

Sieben volle Jahre sind vergangen, eine ungewöhnlich lange Zeit. Am Ende steht ein Konsensplan, der sich vom ursprünglichen Vorschlag für die Neugestaltung deutlich unterscheidet. Der Konsensplan berücksichtigt nunmehr alle Bedürfnisgruppen – vom Autofahrer, der einen Parkplatz benötigt, über Kleinkinder die Spielgeräte vorfinden, bis zu Ruhesuchenden, die sich über Parkbänke freuen. Nicht alle Wünsche können jedoch zu 100 % erfüllt werden. Ein echter Kompromiss setzt Zugeständnisse von allen Seiten voraus.

Aus den Mitteln des Bund-Länder-Programms „Aktive Zentren“, die zweckgebunden für die Neugestaltung des Platzes zur Verfügung stehen, können schätzungsweise 5.000 Anwohner*innen der unmittelbaren Nachbarschaft profitieren.

Bürgerbeteiligung

Seit Beginn der Planungen im Jahr 2010 wurden eine Vielzahl von Bürger*innenveranstaltungen durchgeführt. Mehrfach hat die BVV Charlottenburg-Wilmersdorf Beschlüsse zum Olivaer Platz. Der Zeitstrahl gibt einen Überblick (Vergößerung durch Klicken)

Zeitstrahl

Neue Qualitäten - Vielfältiges Grün

Kenndaten Bestand Planung
Befestigte Fläche Parkplatz 3.100 m² 2.515 m² mulitfunktional (Sondernutzung möglich, Versorgungspoller)
Kfz-Parkplätze 120 60 (Parkplätze E-Mobil, Carsharing, Ladestation, E-Bike)
Spielplatz 250 m² 930 m² inklusiver Spielplatz sowie dezentrale Spielflächen
Versiegelte Fläche 3.900 m² 3.730 m²
Bestandsbäume 139 152
Fällungen*   63 (11 in 2017; 52 in 2018)
Baumneupflanzungen   76
Bodendecker/Stauden 510 m² 985 m²
Strauchpflanzungen 2.000 m² 1.470 m²
Erhalt bestehender Elemente   Teilerhalt Pergola und Klinkermauer

* Erläuterungen zu den Fällungen finden sich im Dokument "Olivaer Platz Baumfällung 2017", welches vom Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf erarbeitet wurde. Die rechtlichen Grundlagen finden sich in der Baumschutzverordnung des Landes Berlin. Die vorgesehenen Fällungen sind im Plan "Baumbilanz" gekennzeichnet.

Mauernische

Pavillion mit Terasse

An der Westseite des Platzes wird anstelle des bisherigen Kioskgebäudes in einem neugeplanten ca. 100 m² großen Pavillon ein Gartencafé entstehen. Das Café wird im Innenraum für ca. 30 und im Außenbereich für ca. 60 Gäste Platz bieten. Die angebundene Terrasse ist zur Grünfläche ausgerichtet. Der Pavillon gewährt barrierefreien Zugang und ist mit behindertengerechten WC-Anlagen ausgestattet. Die Fassade erhält eine moderne Optik aus Holz und Grüntönen.

Außerdem wird der Neubau mit einem extensiv bepflanzten Gründach versehen. Dadurch entsteht eine zusätzliche ökologische Nische am Olivaer Platz. Der alte Fahrgastunterstand wird ersetzt. Die Bushaltestelle wird unmittelbar vor dem Pavillon angegliedert und mit einer Überdachung und seitlichen Glasfeldern versehen. Bauherr ist die URBANIS GmbH.

Bauablaufplan

Die Sicherung und Einrichtung der Baustelle erfolgt ab November 2017. Vom Umbau betroffen sind zunächst Flächen auf der unbefangenen westlichen Platzseite. Begonnen wird mit Abbrucharbeiten, Baumfällungen und Rodungen von Strauchgehölzen. Stauden und Gehölze werden zur Weitergabe an Interessierte gesichert.

Ab dem 1. Quartal 2018 folgen Kampfmittelberäumung, der Rückbau der Beleuchtung sowie des Kioskgebäudes. Durch Stromnetz Berlin werden Hausanschlüsse hergestellt und die Netzstation umgebaut. Die Berliner Wasserbetriebe führen Arbeiten an den Regen- und Abwasser- sowie Trinkwasserleitungen durch.

Ab Mitte 2018 wird die URBANIS GmbH die Neubauten des Pavillons und der Bushaltestelle errichten. Parallel beginnen die Landschaftbauarbeiten zur Neugestaltung der Freiflächen. Bauarbeiten an der östlichen Platzseite erfolgen ab 2019. Die Gesamtmaßnahme soll bis Ende 2019 abgeschlossen sein.

Konsensplan Olivaer Platz

Nach Kritik an der geplanten Neugestaltung des Platzes wurde ein Runder Tisch eingerichtet, an dem alle Initiativen und involvierte Akteure ihre Standpunkte darlegen und diskutieren konnten.

Auf Grundlage des vom Runden Tisch  vorgeschlagenen Konsensplans soll der öffentliche Prozess fortgeführt werden.

Konsensplan Olivaer Platz

Weitere Informationen zum Projekt

Werkstatt Neugestaltung Olivaer Platz

Die Werkstatt, am 23.September 2015, die gleichzeitig Sitzung des zuständigen Ausschusses der BVV ist, soll dazu dienen alle Interessierten über den aktuellen Planungsstand zu informieren. Des Weiteren soll die Planung konkretisiert werden. Dazu sind zu folgenden Themenfeldern Ihre Meinungen und Empfehlungen gefragt:

  • Parkplatz/Multifunktionsfläche
  • Vegetation
  • Spielplatz (Verortung und Nutzungsbereiche)

Als Ergebnis sind drei themenbezogene Fazits vorgesehen, die Festlegungen zur räumlichen Verortung und Ausstattung der Nutzungsangebote beinhalten sollen.

Gestaltungsplan Olivaer Platz

Einarbeitung von Voten der BVV- und Bürgerbeteiligung sowie Stellungnahmen der Fachausschüsse

Gestaltungsplan

Entscheidung der Bezirksverordnetenversammlung

Die politische Entscheidung zum Umgang mit dem ruhenden Verkehr bei der Neugestaltung des Olivaer Platzes ist gefallen. Auf der 10. Öffentlichen Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin am 14. Juni 2012 wurden in diesem Zusammengang zwei Drucksachen behandelt.

Der Drucksache 0260/4 stimmte die BVV mehrheitlich zu. Die BVV beschloss: „Das Bezirksamt wird aufgefordert, bei der Umgestaltung des Olivaer Platzes zu einem grünen Stadtplatz mit hoher Aufenthaltsqualität den Siegerentwurf ohne Parkplätze als Grundlage der weiteren Planung zu nehmen. Auf eine Tiefgarage ist zu verzichten.“

Der Antrag (Drucksache 0219/4) „Das Bezirksamt wird aufgefordert, bei der geplanten Neugestaltung des Olivaer Platzes die Möglichkeit des Einbaus einer Tiefgarage durch private Investoren unterhalb des Platzes zu erwägen und zu prüfen. Sollte der Einbau einer Tiefgarage nicht möglich sein, so sind die Parkplätze in ihrer jetzigen Anzahl auf dem Olivaer Platz zu erhalten.“ wurde mehrheitlich abgelehnt.

Auf der Sitzung des Ausschusses Tiefbau und Grünflächen der BVV Charlottenburg-Wilmersdorf am 5. Juni 2013 wurde dieser Beschluss bekräftigt. Der Vorschlag örtlicher Anrainer, unter dem Platz eine privatwirtschaftlich finanzierte Tiefgarage zu errichten wurde politisch abgelehnt. Somit werden in der Planungskonkretisierung keine Stellplätze in die Neugestaltung integriert. Diese Entscheidung folgt gewissermaßen dem Trend, dass der Anteil des motorisierten Individualverkehrs in Berlin abnimmt. Stattdessen werden zunehmend Wege zu Fuß, per Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt.

Landschaftsplanerischer Wettbewerb

Zur Information und Beteiligung der Öffentlichkeit initiierten die Koordinatoren des Aktiven Zentrum City West in Kooperation mit dem Nationalmuseum Danzig im Oktober 2010 eine Ausstellung über den Olivaer Platz und dessen Namensvetter Oliwa, einen Stadtteil von Danzig. Die Ausstellungstafeln können untenstehend betrachtet werden. Nachdem im Jahr 2010 bereits Anforderungen an den Platzumbau in Bürgerworkshops am 11. November 2010 zum Thema "Verkehr" sowie am 1. Dezember 2010 zum Thema "Landschaftsplanerische Gestaltung" ermittelt wurden, erfolgte eine vertiefende Verkehrsuntersuchung durch ein Ingenieurbüro.

Darauf aufbauend führten die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf 2011 einen landschaftsplanerischen Realisierungswettbewerb durch, bei dem 21  unterschiedliche Entwürfe eingereicht wurden. Das Preisgericht hat unter dem Vorsitz der Landschaftsarchitektin Gabriele Pütz den Entwurf des Büros Rehwaldt Landschaftsarchitekten aus Dresden einstimmig prämiert und zur Realisierung empfohlen.

Mehr zum Wettbewerbsergebnis finden Sie auf der Seite der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt.

Planungs- und Umgestaltungsprozess

Der Empfehlung des Preisgerichts folgend, beauftragte das Bezirksamt Charlottenburg- Wilmersdorf das Büro Rehwaldt Landschaftsarchitekten mit den weiteren Planungsschritten.

Um eine rechtssichere Umsetzung der Platzaufwertung zu gewährleisten, wird das begonnene Bebauungsplanverfahren auf Grundlage des Siegerkonzeptes zügig abgeschlossen. Daran anschließend kann der Baubeginn erfolgen. Es wird mit einer Gesamtbauzeit von zwei Jahren gerechnet. Die Baukosten betragen ca. 2,5 Mio. Euro.

In 2013 werden Baumaßnahmen im südlich angrenzenden  Bereich des Olivaer Platzes starten. Hierbei handelt es sich um Umbauten im Straßenland aus dem Neugestaltungskonzept.

Geschichte, Bestandssituation und Anlass der Umgestaltung

Der "Olivaer Platz" nimmt Bezug auf das polnische Kloster Oliva in Danzig, in dem 1660 der „Frieden von Oliva“ unterzeichnet worden ist. Erstmals in Berlin erwähnt wird der Olivaer Platz 1892.

Angelegt wurde er zwischen 1907 und 1910 vom damaligen Gartenamtsleiter von Wilmersdorf, Richard Thieme, als streng symmetrischer Stadtplatz. Infolge von Kriegsschäden wurde Mitte der 1950er Jahre der östlich an den Platz grenzende Baublock aufgelöst und die Fläche zum Parkplatz umgenutzt. Nach den Plänen des Gartenbauamtsleiters Eberhard Fink wurde der Olivaer Platz 1961 neugestaltet. Bis heute prägen ihn die kleinteilige Raumbildung mit abschirmenden Hecken und Mauern, von Bäumen umstandenen Rasenfläche, Sitznischen, Beete und Platten- und Pflasterbänder. Sein heutiges Erscheinungsbild ist geprägt von einer typischen Gartengestaltung der 1960er Jahre mit  Blumenbeeten, Sitzplätzen und Pergolen. Neben gärtnerischen Anlagen dominieren überaltete Plattenwege und Versiegelungen für parkende PKW das Bild der heutigen Platzanlage. Dichte Strauchpflanzungen und überalterte Klinkermauern bilden nicht einsehbare Räume. Das subjektive Sicherheitsgefühl ist dadurch beeinträchtigt. Diese Gestaltung erfüllt heute nicht die heutigen an einen Stadtplatz.

Die Akteure vor Ort haben  den Anstoß für eine Neugestaltung gegeben, bei der folgende  Aspekte zu klären sind:

  • Welche Gestaltung ist dem Ort und seiner Zentralität angemessen?
  • Wer sind die Nutzergruppen und wie können ihre spezifischen funktionalen Anforderungen erfüllt werden?
  • Wie kann ggf. die ursprüngliche historische Gartengestaltung als Vorbild für das künftige Erscheinungsbild dienen?
  • Welche privaten Bewirtschaftungskonzepte gibt es, um die Pflege und Unterhaltungsaufwendungen durch die öffentlichen Hand zu minimieren?

Die städtische Bedeutung des Olivaer Platzes

Der Olivaer Platz befindet sich südlich des Kurfürstendamms zwischen Leibniz- und Schlüterstraße. Sein gegenwärtiges Erscheinungsbild ist geprägt von einer typischen Gartengestaltung der 1960er Jahre, die seitdem nicht wesentlich erneuert worden ist. Beispielsweise behindern Mauern mit Nischen und hohe Hecken die Einsehbarkeit des ca. 1,2 ha großen Platzes. Eine Neugestaltung ist notwendig, da die Bedürfnisse der unterschiedlichen Nutzerinnen und Nutzer nicht mehr erfüllt werden.

Die Akteure vor Ort haben den Anstoß für ein breit angelegtes Beteiligungsverfahren gegeben, an dem alle Interessierten teilnehmen können, die am Olivaer Platz wohnen, arbeiten oder ihn in anderer Form nutzen. In direkter Nähe zum Kurfürstendamm gelegen kann der Olivaer Platz auch ein attraktiver, grüner Anziehungspunkt für Touristinnen und Touristen werden.

Die Aufwertung des Platzes wird aus dem Städtebauförderprogramm „Aktive Zentren“ sowie dem „Plätzeprogramm“ finanziert.