Neuer Forschungsbau für Messungen rund um Temperatur und Supraleitung

Spatenstich für innovatives Wissenschaftsgebäude der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) am Campus Charlottenburg
Spatenstich PTB

vlnr: Canan Rohde-Can und Eckart Rohde (Architekturbüro Rohdecan), Petra Wesseler (BBR), Joachim Ullrich (PTB) und Stefan Schnorr (BMWi) Foto: Physikalisch-Technische Bundesanstalt

Mit einem Spatenstich startete am 12. Juli 2017 der Bau für ein hochspezialisiertes Forschungsgebäude der Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) am Standort Campus Charlottenburg. Der künftige Walther-Meißner-Bau bietet Labor-, Mess- und Reinräume für höchst genaue Messungen der Temperatur und für Forschungsarbeiten rund um supraleitende Sensorik. Für diese High-Tech-Aufgaben wird das Gebäude mit besonders hochwertiger Bau- und Gebäudetechnik versehen. Der Entwurf für den Neubau stammt von Rohdecan Architekten aus Dresden, die 2014 aus einem vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) ausgelobten Wettbewerb siegreich hervorgingen. 

Auch die deutsche Thermometer-Industrie kann von dem Neubau profitieren. Die PTB verfügt über die besten Kryostaten-Systeme der Thermometrie über einen sehr weiten Temperaturbereich zur Kalibrierung von Produkten der Industrie.

Die Architektur des neuen Gebäudes fügt sich als eigenständiger zeitgenössischer Bau harmonisch in das denkmalgeschützte historische Ensemble der PTB als Teil des Campus Charlottenburg ein. Die Nutzfläche wird rund 2880 Quadratmeter betragen, hiervon sind 555 Quadratmeter als Büroflächen für die dort beschäftigten Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker vorgesehen. Höchste Anforderungen werden an Schwingungsfreiheit und Temperaturkonstanz der Labore und an die infrastrukturellen Bedingungen in den Reinräumen gestellt. Eine meterdicke Bodenplatte dämpft mechanische Schwingungen, dazu kommt eine hinsichtlich Isolierung und Temperaturregelung maßgeschneiderte Gebäudezonierung. Die Planung erfolgt als Pilotprojekt des Building Information Modeling (BIM) in 3D. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 37 Millionen Euro. Das Gebäude soll im Jahr 2020 baulich fertiggestellt sein.

Der Namenspatron des neuen Forschungsgebäudes, der Physiker Walther Meißner, nahm bereits 1927 auf dem Areal in der damaligen Physikalisch-Technischen Reichsanstalt ein Tieftemperaturlaboratorium in Betrieb. In den folgenden Jahren entdeckte er dort neue supraleitende Elemente und erforschte ihr Verhalten. Der Meißner-Ochsenfeld-Effekt ist Physikern bis heute ein Begriff und das Kriterium für den Nachweis von Supraleitung. Meißners Laboratorium wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, aber die Erfolgsgeschichte der PTB auf dem Gebiet der Temperatur- und Supraleitungsmesstechnik setzte sich fort. Seit den 1980er-Jahren werden in ihrem Institut in Berlin sogenannte SQUIDs – supraleitende Quanteninterferenzdetektoren – hergestellt, mit denen man kleinste Magnetfelder messen kann.

Quelle: 
Physikalisch-Technische Bundesanstalt